Während die meisten am Sonntag die dritte Kerze des Adventskranzes entzündet haben, begann für Jüdinnen und Juden weltweit das achttägige Chanukka-Fest. Aus den Hoffnungslichtern des Advents und des Chanukka ist seit den Schüssen am Bondi Beach in Sydney ein Trauerlicht geworden.

Opfer des Anschlags: Chanukka-Fest in Sydney erschüttert die Welt

Sechzehn Menschen wurden getötet. Darunter Eli Schlanger, stellvertretender Rabbi, Mitorganisator des Festes. Darunter ein zehnjähriges Mädchen. Über tausend Menschen mussten mit ansehen, wie zwei Männer in eine Chanukka-Feier am Meer schossen, ohne einen Grund außer ihrem Hass.

Es ist kaum zu ertragen. Die Schockstarre sitzt so tief, dass sich einige fast automatisch in Erklärungen flüchten – in Gründe, in Schuldzuweisungen. Man sucht nach Motiven, nach einem Sinn. Und landet im nächsten Moment bei Nahostkonflikten, bei Radikalisierung, bei Waffengesetzen.

Oder man sagt das Unerträgliche: Menschen wurden getötet, weil sie Jüdinnen und Juden sind. Der Hass sucht keine Gründe. Er sucht Opfer.

Ein Augenblick der Entscheidung: Passant stoppt Schützen

Am Bondi Beach, dort, wo Menschen das Licht feiern wollten, hatte die weltweite jüdische Organisation Chabad zu "Chanukka am Meer" eingeladen. Die Feier begann wie geplant um halb sechs. Um Viertel vor sieben fielen die Schüsse.

Die Nachricht verbreitete sich wie ein Schlag um die Welt. Dann folgte dieses Video: Ein Passant überwältigt einen der beiden Schützen, entreißt ihm die Waffe und hält den Täter in Schach. Ein Augenblick, in dem die Gewaltspirale durchbrochen wird – durch gewaltlosen Widerstand.

Kerzen für die Opfer: Chanukka als Zeichen der Hoffnung

Für die Opfer brennt das Licht: An Adventskränzen, an Chanukka-Leuchtern. Chanukka erzählt vom Öl, das nicht ausging, vom Licht, das im Tempel weiterbrannte, obwohl es längst hätte erlöschen müssen. Es ist die Geschichte vom Trotz gegen die Dunkelheit.

Das jüdische Fest selbst wird zum Widerstand – gegen Gewalt, gegen die Instrumentalisierung dieser Gräueltat durch irgendein politisches Lager, für eine Menschlichkeit, die vereint.

Am Bondi Beach, diesem Strand der Lebensfreude, des australischen Sommers, der Surfer und Sonnencreme. Dort, wo niemand mit dem Tod rechnet. Genau hier wird sichtbar, wie hart der Kampf um Menschlichkeit ist. Das Anzünden der Lichter geht weiter. Es muss weitergehen. Im Gedenken an die Opfer. Als  Zeichen der Hoffnung.