4.04.2020
Antisemitismus

RIAS kritisiert Judasfeuer als antisemitisches Brauchtum

Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Bayern (RIAS) kritisiert die in verschiedenen teilen Bayerns vor Ostern stattfindenden "Judasfeuer".
Triptychon der Krönung: Der Kuss des Judas

Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Bayern (RIAS) kritisiert die in verschiedenen teilen Bayerns vor Ostern stattfindenden Judasfeuer. Dieses Brauchtum stehe in antisemitischer Tradition, wie RIAS Bayern in München mitteilte. Der Brauch, bei dem teilweise auch Puppen in Menschengestalt verbrannt würden, diene der symbolisch-rituellen Bestrafung der biblischen Figur Judas für seinen Verrat an Jesus Christus. Judas Iskariot werde in der antijudaistischen Tradition christlicher Prägung mit den Juden identifiziert.

Wegen der Corona-Pandemie würden heuer wohl kaum Judasfeuer stattfinden - dies sei eine Gelegenheit, sich mit dieser antisemitischen Tradition auseinanderzusetzen. Vielen Menschen, die an den Feuern teilnehmen oder diese veranstalten, sei der antisemitische Hintergrund wohl gar nicht bewusst. Auf diese Leerstelle wolle man aufmerksam machen, sagte RIAS-Leiterin Annette Seidel-Arpaci. Ein Großteil werde von christlichen Laien, oftmals Jugendlichen, die in örtlichen Vereinen organisiert sind, veranstaltet, teilte RIAS Bayern weiter mit.

Judasfeuer seien nicht mit traditionellen Osterfeuern zu verwechseln und konzentrierten sich dabei auf die Gegend zwischen Donauwörth, Ingolstadt, Augsburg, Landsberg am Lech und München sowie Teile Unterfrankens. Noch im 20. Jahrhundert seien die Judasfeuer in Bayern teils Jud oder Judenfeuer genannt worden.

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