8.06.2018
Kirchengebäude

Christuskirche Neumarkt soll umgebaut und renoviert werden

Die Neumarkter diskutieren derzeit, wie es mit ihrer evangelischen Christuskirche weitergehen soll. Die Nordseite feuchtelt, das Decken-Gewölbe zeigt Risse. Das Innere ist in die Jahre gekommen, was die renovierten Räume des ehemaligen Klostergeländes nebenan besonders deutlich machen. Sie diskutieren eine freundliche und zeitgemäße Kirche. Was das bedeutet:
Eingang Christuskirche Neumarkt mit Pfarrer Michael Murner.
Vor der Christuskirche haben Besucher keinen Platz zum Verweilen, sondern stehen gleich an einer befahrenen Straße.

Die Neumarkter Christuskirche hat schon viele Epochen erlebt. Ihre Bausubstanz ist aus dem 17. Jahrhundert, sie war Scheune und Wirtschaftsgebäude. Prägend im Innern sind Gegenstände aus den 1930er-Jahren: etwa das wuchtige Kreuz, das den gemarterten Christus zeigt. Oder die Kanzel, die ein Predigen von oben herab anzeigt.

"Das ist heute nicht mehr zeitgemäß", argumentiert Dekanin Christiane Murner. "Wir leben in einer Zeit der Bürgerbeteiligung, wo die Menschen sich auf Augenhöhe begegnen. Da passt eine Predigt von der Kanzel nicht mehr hin."

Umbau der Christuskirche Neumarkt mit Bürgerbeteiligung

Die Bürgerbeteiligung wird bereits umgesetzt. Eine Gemeindeversammlung und der Kirchenvorstand haben sich Anfang des Jahres zusammengesetzt. Beauftragt ist das Architekturbüro Brückner & Brückner, das sich mit Sakralbauten auskennt, und derzeit in Workshops erfasst, was die Gemeinde überhaupt will.

Beim wuchtigen Kreuz, das den gemarterten Christus zeigt, gehen die Meinungen auseinandern, formuliert es Pfarrer Michael Murner vorsichtig. "Die einen kennen das Kreuz seit ihrer Kindheit und können sich die Kirche ohne es nicht vorstellen. Andere wünschen sich nicht nur das Symbol des Leidens Christi, sondern auch den Aspekt der Auferstehung."

 

Pfarrer Michael Murner im Dachboden der Christuskirche.
Pfarrer Michael Murner zeigt im Dachboden auf die Risse im Tonnengewölbe.

Neumarkter Christuskirche aus Zeit der Gegenreformation

Die Kirche geht auf die Zeit der Gegenreformation und die Kapuziner zurück. Das Gebäude wurde in der Säkularisation 1804 versteigert, wird seit 1855 von evangelischen Christen genutzt. Vieles im Inneren zeugt noch davon, sich gegenüber die Katholiken deutlich abzusetzen und zeigt ein autoritäres Verständnis. "Wir wollen aber, dass sich auch Krabbelgruppen, junge Leute wohlfühlen." Ein Platz für Tanz, Meditation oder eine Band würde andere Gottesdienstformen erlauben.

Wandert der Blick zur Decke, zeigen sich dort etliche Risse. Das Tonnengewölbe ist in den vergangenen Jahrhunderten in die Jahre gekommen. "Hier fehlen Zerrbalken", erläutert Pfarrer Michael Murner bei einer Ortsbegehung. "Insgesamt ist dieser Dachstuhl eine relativ weiche und flexible Konstruktion. Aber nach 400 Jahren braucht sie eine Sanierung." Ein statisches Gutachten erkennt zwar keine unmittelbare Gefahr, sieht aber Handlungsbedarf. Die Holzbalken seien mit Holzdübeln verzapft und teilweise lose oder ganz herausgefallen.

"Hier im Dachstuhlbereich werden die verschiedenen alten historischen Verbindungen der Dachbalken neu bearbeitet werden müssen", so Pfarrer Murner. Nur in gewissen Abständen seien Versteifungen eingezogen, die sich auf das Tonnengewölbe abstützen. Das Gewicht, und die Windlast, die am Dachstuhl rüttelt, sind für das Gewölbe auf Dauer problematisch", so Pfarrer Murner.

Die frisch renovierten Gemeinderäume nebenan auf dem ehemaligen Klostergelände machen den Unterschied zur Christuskirche besonders deutlich. "Wir wollen eine Kirche auf Augenhöhe", so Dekanin Murner. "Und auf diesem planerischen Weg möglichst viele Gemeindeglieder mitnehmen."

Christuskirche Neumarkt - Hintergrund

Die Christuskirche ist nach Sulzbürg die größte Kirche im Dekanat Neumarkt und Kristallisationspunkt für viele Konzerte und Ausstellungen. Als Nächstes ist im Rahmen der ökumenischen Friedensdekade die Ausstellung "Kain und Abel" geplant. Mehr Infos finden Sie hier auf der Website der Kirchengemeinde.

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