17.10.2020
Ausstellung

Eine Zeitreise von Käthe Kruse bis Barbie - Coburger Puppenmuseum bietet Einblick in zwei Jahrhunderte

Unter allen Spielsachen besitzt die Puppe eine ganz besondere Anziehungskraft. Im Laufe der Zeit entstanden die unterschiedlichsten Modelle, mit unterschiedlichsten Funktionen. Im Coburger Puppenmuseum werden diese präsentiert. Über die Geschichte des Museums und seine prominentesten Exponate.

Unter allen Spielsachen besitzt die Puppe eine ganz besondere Anziehungskraft: Früher war sie Statussymbol, Erziehungsmittel und Vorbild für das spätere Leben.

Heute ist die Puppe Kunstobjekt und Sammlerstück, Dokument des Zeitgeists und manchmal auch billiger Massenartikel aus Fernost.

Das Coburger Puppenmuseum präsentiert und dokumentiert diese Funktionen.

Die Geschichte des Coburger Museumsgebäudes

Dabei ist schon das Museumsgebäude mitten in der Coburger Innenstadt etwas ganz Besonderes. Hier, gleich gegenüber der Ehrenburg, wohnte der Dichter und Orientalist Friedrich Rückert von 1820 bis 1826.

Rückert habe im Dachstübchen gewohnt, berichtet Christine Spiller, die zusammen mit Birgit Lang das Museum leitet. Er sei vor allem wegen der Nähe zur reichlich ausgestatteten Schlossbibliothek des Herzogs Ernst hierhergezogen.

Was aber noch viel wichtiger ist: Rückert lernte hier seine spätere Frau Luise kennen, die Tochter eines Hofarchivrates, der mit seiner Familie gleich unter dem Rückert-Stübchen wohnte.

Die Anfänge des Puppenmuseums 

Ein geschichtsträchtiges Gebäude also, das Carin und Hans Lossnitzer viele Jahre später erworben und renoviert haben.

Beide eröffneten hier 1987 ein Privatmuseum, um ihre reichhaltige Sammlung mit rund 900 Puppen und 50 kompletten Puppenstuben der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Die Puppenkünstlerin Carin Lossnitzer stammte aus Berlin, Hans Lossnitzer hatte seine Wurzeln in Oberfranken.

Nachdem zwei Drittel der Sammlung aus Puppenfabriken in Oberfranken und Südthüringen kamen, sei es beider Anliegen gewesen, die Puppen wieder "nach Hause" zu bringen, begründet Museumsleiterin Spiller die Wahl Coburgs als Ort des Puppenmuseums.

Aufkauf durch die Stadt

2007 kaufte dann die Stadt Gebäude und Sammlung und übernahm die Trägerschaft über das Museum.

Nachdem im Mai 2012 ein verheerender Brand in der Nachbarschaft auch die Räume des Puppenmuseum in Mitleidenschaft gezogen hatte, musste es über ein halbes Jahr schließen.

Die Zeit wurde für eine umfangreiche Umgestaltung der insgesamt 600 Quadratmeter Ausstellungsfläche genutzt.

Die Ausstellung

Mittlerweile ist die Einrichtung museumspädagogisch auf dem neuesten Stand.

Die älteste und wohl auch wertvollste Puppe des Bestandes stammt aus dem Jahr 1823, die jüngsten Puppen sind Massenware aus Fernost, wie sie zuletzt in Katalogen oder Discountern angeboten wurden.

Dazwischen gibt es Raritäten, Kuriositäten aber auch viel Bekanntes zu entdecken, stets liebevoll arrangiert und immer in den Kontext zu Entstehungszeit gesetzt.

Da steht beispielsweise die Modepuppe "Lilly", die 1860 von Gaultier in Paris gefertigt wurde. Sie existiert weltweit nur noch zwei Mal, berichtet Christine Spiller - in einem New Yorker Museum und in Coburg.

Im zweiten Stock gibt es die berühmten Sammlerpuppen von Käthe Kruse zu sehen. Und wer weiß heute noch, dass Steiff nicht nur Plüschtiere sondern auch Filzpuppen produziert hat?

Die Geschichte der Barbie-Puppe

Interessant ist auch, dass die berühmte Barbie-Puppe ihr Vorbild in einer Puppe hat, die den Namen "Lilli" trug und die von der Firma O. & M. Hausser in Neustadt bei Coburg produziert wurde.

Erst 1964 erwarb das US-Unternehmen Mattel die Markenrechte offiziell, seitdem gibt es die Barbie-Puppe auch hierzulande.

Das Kuriositätenkabinett

Im Kuriositätenkabinett finden sich Teepuppen ("Half Dolls"), also halbe Porzellanpuppen ohne Beine aber mit ausladenden Reifröcken, die nicht als Spielzeug, sondern als Dekorations-Accessoires dienten, Puppenautomaten, eine Art Spieldosen mit bewegten Figuren, und jede Menge Miniaturgeschirr für Puppenstuben.

Tiefgreifende Einblicke 

Auch über die Puppenhersteller, von denen die meisten in der Region zwischen Coburg und Gotha angesiedelt waren und einige auch noch sind, kann der Besucher einiges erfahren.

Das Museum gibt einen Einblick in die Kindererziehung früherer Jahre, in das Großbürgertum des 19. Jahrhunderts und in die Wohnstuben früherer Zeiten.

Traditionelle Rollenbilder von Jungs und Mädchen werden hinterfragt, Tischsitten beleuchtet. Allerlei anderes Spielzeug, wie Brettspiele, Eisenbahnen oder Dampfmaschinen sind ebenfalls ausgestellt. 

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