Nürnberg (epd). Die Diakonie Bayern fordert einen eigenständigen, regelmäßig fortgeschriebenen Armuts- und Reichtumsberichts für den Freistaat. Der von der Staatsregierung für den Herbst angekündigte "Bericht zur sozialen Lage in Bayern" reiche in seiner bisherigen Form nicht aus, teilte die Diakonie am Mittwoch mit. "Armut wächst auch in einem reichen Bundesland - und sie wird viel zu lange kleingeredet", sagte Diakonie-Präsidentin Sabine Weingärtner.
Zwar liege die bayerische Armutsquote unter dem bundesweiten Durchschnitt. Aber: Nach aktuellen Daten des Bayerischen Landesamts für Statistik gelten im reichen Bayern rund 1,6 Millionen Menschen als armutsgefährdet. Das entspreche 12,4 Prozent der Bevölkerung und somit einem Anstieg gegenüber dem Vorjahr um 0,6 Prozent. "Armut bedeutet, dauerhaft unter finanziellem Druck zu stehen und auf notwendige Dinge verzichten zu müssen", betonte Weingärtner. "Wer seine Wohnung kaum noch bezahlen kann oder beim Essen sparen muss, ist faktisch von gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen."
Bisheriger Sozialbericht nicht ausreichend
Bei diesem "sozialpolitischen Notfall" greife der Sozialbericht des Freistaats zu kurz. Er erscheine zu selten, arbeite teilweise mit veralteten Daten und blende zentrale Fragen zu Vermögensverteilung, Lebenslagen und sozialer Ungleichheit aus, hieß es. Ein Armuts- und Reichtumsbericht für Bayern müsse sich am Vorbild des gleichnamigen Berichts der Bundesregierung orientieren und eine ehrliche Bestandsaufnahme liefern.
Das sei die Voraussetzung für passgenaue Angebote der Politik und der sozialen Träger im Freistaat: "Nur wer genau weiß, wo der Schuh drückt, kann gezielt und effektiv Abhilfe schaffen", so Weingärtner. Bayern brauche Klarheit darüber, wer zurückbleibe und wer profitiere, forderte sie auch angesichts der anhaltenden Debatten um eine Reform des Sozialstaats: "Armut ist kein Naturgesetz. Sie ist auch das Ergebnis politischer Entscheidungen."