Es gibt Fragen, die begleiten die Menschheit seit Jahrhunderten. Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Gibt es intelligentes Leben außerhalb unseres Planeten? Und zweimal im Jahr gesellt sich in Deutschland noch eine weitere existenzielle Frage dazu: Stellen wir die Uhr jetzt eigentlich vor oder zurück?

Man könnte meinen, wir hätten inzwischen ausreichend Übung. Schließlich machen wir das nicht erst seit vorgestern. Trotzdem beginnt zuverlässig im März und Oktober dieses kollektive Grübeln. Menschen, die komplizierte Steuererklärungen ausfüllen, Autos mit 37 Assistenzsystemen bedienen und ihren Fernseher irgendwie mit WLAN, Handy und Streamingdienst verbunden haben, stehen plötzlich vor einer Küchenuhr und kapitulieren.

Dabei ist die Sache dieses Mal wirklich überschaubar: In der Nacht zum 25. Oktober 2026 endet die Sommerzeit. Um 3 Uhr werden die Uhren auf 2 Uhr zurückgestellt. Eine Stunde gibt es also zurück. Im Frühjahr läuft es genau andersherum: Dann wird von 2 auf 3 Uhr vorgestellt.

Weil uns diese zwei simplen Bewegungen offenbar geistig überfordern, haben Generationen von Menschen Eselsbrücken entwickelt. 

Am hartnäckigsten hält sich die Gartenmöbel-Regel: Im Frühjahr kommen die Stühle vor das Haus, im Herbst zurück in den Schuppen. Frühjahr vor, Herbst zurück. Genial einfach – vorausgesetzt, man besitzt ein Haus, einen Schuppen und tatsächlich Gartenmöbel. Stadtbewohner mit Balkon und zwei Plastikstühlen stehen damit erst mal ratlos da. 

Eine Nummer sympathischer ist die Café-Variante, im Grunde dasselbe Prinzip mit Kaffee statt Rasenmäher: Im Frühjahr stellt der Wirt die Stühle vor die Tür, im Herbst räumt er sie wieder hinein.

Dann das Thermometer: Wird es wärmer, geht es mit der Temperatur nach oben, also plus – die Uhr wird vorgestellt. Wird es kälter, sinkt sie, also minus – die Uhr geht zurück. Eine hübsche Logik, die im Ernstfall allerdings gern mit der Wetterlage kollidiert. Bei 18 Grad im Februar und Schneefall im April, wirds schon wieder schwierig, hat also eher vor 40 Jahren funktioniert.

Wer es lieber kompakt mag, nimmt die 2-3-2-Regel: im Frühjahr von 2 auf 3 Uhr, im Herbst von 3 zurück auf 2 Uhr. Mehr muss man sich eigentlich nicht merken – außer natürlich, ob die Reihe jetzt im Frühling oder im Herbst beginnt. Und schon hat man aus drei Zahlen wieder ein neues Problem gebaut.

Die vielleicht eleganteste Lösung kommt, wenig überraschend, aus dem Englischen: "Spring forward, fall back." Im Frühling nach vorne, im Herbst zurück – und weil "spring" auch springen und "fall" auch fallen heißt, steckt sogar noch ein kleines Wortspiel mit drin. 

Am Samstagabend vor der Zeitumstellung passiert dann meistens Folgendes: Beim Abendessen fragt jemand in die Runde: "Wie war das noch mal – kriegen wir jetzt eine Stunde, oder verlieren wir eine?" Kurze Stille. Dann greifen fünf Leute gleichzeitig zum Handy.

Was vielleicht die ehrlichste Eselsbrücke unserer Zeit ist: Wenn du nicht weißt, ob vor oder zurück, mach einfach gar nichts. Smartphone, Computer und Funkuhr erledigen die Sache ohnehin von selbst. Nur Backofen, Mikrowelle und die alte Uhr im Auto zeigen anschließend wieder ein halbes Jahr lang eine andere Zeit an, weil kein Mensch mehr weiß, welche Tastenkombination man dafür drücken muss.

Zur Sicherheit also noch einmal, ganz ohne Eselsbrücke: 25. Oktober 2026. Von 3 Uhr auf 2 Uhr. Eine Stunde zurück.

Oder, falls das schon wieder zu kompliziert war: Die Gartenmöbel kommen zurück in den Schuppen.

Die Uhr auch zurück. Nur bitte nicht die Uhr in den Schuppen stellen.