München (epd). Seit fünf Jahren sind die Krisendienste Bayern jeden Tag im Jahr rund um die Uhr unter der Telefonnummer 0800/655 3000 erreichbar. Anlässlich ihres fünfjährigen Bestehens starten die Krisendienste zusammen mit dem Verein Mutmachleute die bayernweite Kampagne "Mut in der Krise", teilte der Bezirketag am Mittwoch mit. Ziel sei es, das Thema psychische Krisen zu enttabuisieren und Menschen zu ermutigen, frühzeitig Hilfe für sich selbst oder für Angehörige in Anspruch zu nehmen.
Geplant ist, mit persönlichen Geschichten und Erfahrungen von "Mutmacherinnen und Mutmachern" zu zeigen, dass es sich lohne professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, hieß es. Unter den "Mutmachern" ist der Extrembergsteiger Alexander Huber, der selbst eine psychische Krise erlebt hat. "Wenn die Psyche erkrankt, braucht man Unterstützung - genauso selbstverständlich wie bei einer körperlichen Erkrankung", sagte er zum Start der Kampagne.
Zahlen haben sich in fünf Jahren verdoppelt
In den vergangenen fünf Jahren seien die Anrufzahlen bei den Krisendiensten jedes Jahr gestiegen, teilte der Bezirketag mit. Während im ersten Jahr nach der bayernweiten Einführung rund 54.000 Anrufe eingegangen seien, verzeichneten die Krisendienste im Jahr 2025 etwa 110.000 Kontakte. Die mobilen Einsätze der Kriseninterventionsteams vor Ort hätten sich von 2.340 auf knapp 4.300 gesteigert. Das zeige, dass der Bedarf an schnell zugänglicher und niedrigschwelliger Hilfe in psychischen Krisen hoch sei, sagte Franz Löffler, Präsident des bayerischen Bezirketags. Eine frühzeitige Unterstützung in psychischen Krisen sei die beste Vorbeugung für schwere Krankheitsverläufe oder eine Zuspitzung der Krise.
Die bayerische Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) sagte, Bayern sei mit dem Rund-um-die-Uhr-Angebot Vorreiter für psychische Krisenhilfe und für Prävention in Deutschland. Das Gesundheitsministerium habe die Krisendienste in den vergangenen Jahren mit rund 67 Millionen Euro für die Kosten der sieben Leitstellen unterstützt. Die Finanzierung der mobilen Einsatzteams und die sonstigen Kosten tragen die Bezirke und wenden dafür jährlich rund 18 Millionen Euro auf, hieß es.