Herrsching am Ammersee (epd). Der Bayerische Jugendring (BJR) fordert ein Umdenken bei der Förderung des ehrenamtlichen Engagements. Junge Menschen engagierten sich heute anders als früher, hieß es laut einer Mitteilung vom Samstag bei der diesjährigen Vollversammlung in Herrsching am Ammersee. Junge Leute bevorzugten flexible und projektbezogene Aufgaben. Mit einem neuen Ehrenamtskonzept reagiert der BJR auf diese Entwicklung.

Laut BJR-Präsident Philipp Seitz wollen junge Menschen sehen, dass ihr Einsatz Wirkung zeigt. Sie suchten sinnstiftende Aufgaben, bei denen sie Verantwortung übernehmen können. Langfristige Bindungen an feste Ämter passten seltener in ihre Lebensplanung. Stattdessen seien zeitlich begrenzte und klar umrissene Tätigkeiten gefragt. Das neue Konzept weist darauf hin, dass finanzielle Hürden wie Fahrt- oder Materialkosten das Engagement junger Menschen erschweren können.

Seitz kritisierte einen Antrag der AfD-Fraktion im Bayerischen Landtag, dem Jugendring die finanzielle Unterstützung zu entziehen. "Jugendarbeit in Bayern steht für Vielfalt, für Freiheit, Demokratie und ein wertebasiertes Menschenbild. Wir lassen uns nicht spalten!", betonte er. Unterstützung erhielt der BJR vom jugendpolitischen Sprecher der CSU-Landtagsfraktion, Josef Heisl. Er sagte an die Delegierten gerichtet: "Wir werden nicht zulassen, dass der Bayerische Jugendring von der AfD durch den Dreck gezogen wird."

Seitz: Junge Menschen sind nicht politikfern

In seiner Eröffnungsrede hatte BJR-Präsident Seitz am Freitagabend hervorgehoben, wie wichtig Demokratiebildung in Zeiten von Rechtsextremismus, Polarisierung und wachsender Unsicherheit sei. Er lobte die U18-Wahl, die vor der Kommunalwahl am 8. März jungen Menschen ermöglichte, ihre Stimme abzugeben. "Wenn wir jungen Menschen Beteiligung zutrauen, dann nehmen sie diese auch wahr", sagte er. Mehr als 33.000 Jugendliche hatten sich vor Ort oder digital beteiligt, obwohl ihre Stimmen nicht bei der Wahl zählten. "Das widerlegt eindrucksvoll jedes Vorurteil, junge Menschen seien politikfern oder desinteressiert", sagte der BJR-Präsident.

Seitz begrüßte in seiner Rede auch, dass die Jugendarbeit in Bayern mit zusätzlichen 1,5 Millionen Euro gestärkt werde. "Das ist mehr als Geld. Das ist ein klares politisches Signal: Jugendarbeit hat Zukunft." Diese Investitionen ermöglichten konkrete Angebote, Projekte und Begegnungen vor Ort.