München (epd). Das bayerische Familienministerium rechnet damit, dass bis 2029 durchschnittlich 80 Prozent der Kinder im Grundschulalter eine Ganztagesbetreuung benötigen. Im Schuljahr 2024/2025 wurden zum Stichtag 1. Januar 2025 erst 59,5 Prozent der Grundschulkinder am Nachmittag "qualitativ hochwertig" betreut, teilte das Ministerium auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) mit. Damit liegt Bayern aktuell im bundesweiten Vergleich auf einem der hinteren Plätze.

Im Osten Deutschlands sind die Betreuungsquoten im Ganztag fast durchweg höher als im Westen. Spitzenreiter sind Thüringen (91 Prozent) und Brandenburg mit über 90 Prozent betreuter Kinder im Grundschulalter, gefolgt von Sachsen mit 86,9. Auch Hamburg meldet 91 Prozent. Niedrige Quoten der Kinder im schulischen Ganztagsbetrieb geben neben Bayern etwa Rheinland-Pfalz mit 55 Prozent, Niedersachsen mit 50,4 Prozent und Schleswig-Holstein mit 50 bis 60 Prozent an sowie Baden-Württemberg mit 40,5 Prozent. Alle Länder rechnen mit steigender Nachfrage, können aber keine gesicherten Angaben machen, weil unklar ist, wie viele Eltern später tatsächlich Bedarf anmelden.

Eltern können künftig ihren Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz einklagen

Ab dem Schuljahr 2026/2027 haben alle Erstklässler Anspruch auf einen Platz in der Ganztagsbetreuung. Bis 2029 folgen sukzessive alle Grundschüler. Der künftig einklagbare Rechtsanspruch richtet sich laut Familienministerium in Bayern an die Träger der öffentlichen Jugendhilfe, also an die Landkreise und kreisfreien Städte. Die Bedarfsplanung für die Kindertagesbetreuung liegt bei den Kommunen: Sie erheben den lokalen Bedarf, der sich aus dem Wunsch der Eltern ergibt.

Bundesweit setzen die Länder und Kommunen auf unterschiedliche Modelle der Trägerschaft. Fast durchweg gibt es sowohl Hort-Angebote von oder in Kooperation mit Kitas oder Betreuungsgruppen in den Schulen. In Bayern wurden zum Stichtag 1. Januar 2025 zwei Drittel der Kinder in schulischen Angeboten betreut, wie der offenen und gebundenen Ganztagsschule und der Mittagsbetreuung. Rund ein Drittel wird in Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe betreut, vor allem in Horten und Kombieinrichtungen. Etwa 55 Prozent davon sind Angebote freier Träger.

Ende Februar hatte die bayerische Familienministerin Ulrike Scharf (CSU) ihr "Ganztagsversprechen" für Grundschulkinder erneuert. Für jeden neuen Betreuungsplatz, den die Kommunen bis zum Jahr 2029 schafften, garantiere der Freistaat "eine kraftvolle finanzielle Unterstützung bei den Investitionskosten", sagte die Politikerin.