Memmingen (epd). Kirchliche Jugendarbeit bietet dem bayerischen evangelischen Landesbischof Christian Kopp zufolge einen wichtigen Raum für junge Menschen, um Erfahrungen zu sammeln. Der christliche Glaube gebe einen inneren Kompass und helfe Jugendlichen, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen, sagte er am Samstag laut Predigttext beim Gottesdienst zum 100-jährigen Bestehen der Evangelischen Gemeindejugend im schwäbischen Memmingen.
Auf Freizeiten und in der kirchlichen Gemeinschaft könnten junge Menschen fernab digitaler Zwänge erfahren, dass sie wertvoll seien, betonte Kopp in der Memminger Martinskirche. Viele Heranwachsende stünden heute unter dem ständigen Druck von Smartphones und sozialen Netzwerken, erläuterte der Theologe. "Die Stimmen leuchten aus kleinen Bildschirmen. Sie sagen jungen Menschen, wie sie zu sein haben. Schau her, ich bin dünn, ich bin schön, ich bin reich", sagte Kopp.
Debatte über Handynutzung
Kopp griff Überlegungen des US-amerikanischen Sozialpsychologen Jonathan Haidt auf und forderte eine gesellschaftliche Debatte über den Umgang mit digitalen Medien. Haidt plädiere für handyfreie Schulen und soziale Medien erst ab 16 Jahren, während er zugleich für mehr reale Freiräume und Jugendverbandsarbeit werbe, erläuterte Kopp. Einzelne Familie könnten die Herausforderungen der digitalen Welt nicht bewältigen, es brauche vielmehr verlässliche politische Entscheidungen.
Kopp sagte, Siegerinnen und Sieger vor Gott seien nicht diejenigen, bei denen immer alles funktioniere oder die stets gewännen. Es seien jene Menschen, "die sich nicht von ihrer Angst bestimmen lassen, die Verantwortung übernehmen, die für andere da sind, die nach einer Niederlage wieder aufstehen".