Coburg, Bayreuth (epd). Ein wertvolles Geschenk für die Landesbibliothek Coburg: Sie hat vier Briefe des Dichters Jean Paul (1763-1825) an den Coburger Polizeidirektor und späteren Hofrat Johann Andreas Ortloff (1769-1828) und einen Brief von Ortloff an Jean Paul von einer Familie erhalten. Die Briefe spiegelten die kurze engere Freundschaft zweier Gelehrter und Schriftsteller wider, teilte die Landesbibliothek am Donnerstag mit. Die fünf Handschriften würden die Kunstsammlungen der Veste Coburg ergänzen. Sie verfüge bereits über drei Briefe Jean Pauls und zudem über viele frühe Drucke des Schriftstellers, hieß es.

Die Schenkung sei für sein Haus "aus heiterem Himmel" gekommen, sagte Bibliotheksdirektor Sascha Salatowsky dem Evangelischen Pressedienst (epd). Er sei sehr froh, dass die Handschriften nicht auf dem Antiquariatsmarkt gelandet seien.

Jean Paul und Ortloff hatten sich in Coburg kennengelernt, als Jean Paul dort von Juni 1803 bis August 1804 mit seiner Familie wohnte. Beide hätten sich für Literatur und Philosophie interessiert und über Neuerscheinungen und über die politischen Verhältnisse vor Ort. Jean Pauls Briefe würden den typischen Sprach-Witz zeigen, etwa wenn er ein Polizeiverfahren als "urinösen Prozes" beschreibt, heißt es in der Mitteilung.

Jean Paul arbeitete in Coburg unter anderem an den Werken "Flegeljahre" und "Vorschule der Ästhetik". Seit seinen Schriften "Die unsichtbare Loge" (1793) und "Hesperus" (1795) sei er ein berühmter und vielgelesener Schriftsteller gewesen, so die Landesbibliothek. Er wohnte in Leipzig, Weimar und Berlin und ließ sich später in Bayreuth nieder.

Der gebürtige Coburger Ortloff war erst Schuhmacher und studierte später Jura und Philosophie in Erlangen. 1797 wurde er dort zum außerordentlichen Professor der Philosophie ernannt.

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