Augsburg (epd). Innerhalb der CSU verschärft sich der Streit um das Thema Social-Media-Nutzung von Kindern. Nachdem sich Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner Forderungen der CDU nach Einführung einer gesetzlichen Altersgrenze von 14 Jahren angeschlossen hatte, widersprach die bayerische Sozialministerin Ulrike Scharf ihre Parteikollegin in einem Interview mit der "Augsburger Allgemeinen" (Mittwochsausgabe) entschieden. "Plakative Verbote dürfen also nicht Ausreden sein für eine unterkomplexe Hilflosigkeit", sagte Scharf. Sie warne "vor einem Kartell aus Politik und hart konkurrierenden Medien", das vorschnelle Verbote mit dem Kinder- und Jugendschutz begründe.

"Die große Mehrheit der Fachkundigen lehnt pauschale Verbote ab", sagte die Sozialministerin, die in Bayern für Jugend und Prävention zuständig ist. Scharf zitierte die Kommission für Jugendmedienschutz: "Altersgrenzen reduzieren das Haftungsrisiko der Anbieter". Ebenso verteidige das Deutsche Kinderhilfswerk ein Grundrecht auf digitale Teilhabe, sagte die Ministerin. Medienforscher würden zudem im Falle Australiens auf Umgehungspraktiken und eine Verstärkung sozialer Ungleichheiten hinweisen. Australien hatte im Dezember 2025 ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige erlassen.

Aigner und Weber für Altersgrenzen

Zuvor hatte Landtagspräsidentin Aigner als Gast des Frühlingsempfangs der CDU-Landtagsfraktion Schleswig-Holstein vor Anfeindungen, Hetze und Desinformation in sozialen Netzwerken gewarnt und laut "Augsburger Allgemeine" die Forderungen der Schwesterpartei nach einem Social-Media-Verbot für Kinder ausdrücklich unterstützt. Auch der CSU-Europapolitiker Manfred Weber habe sich in der Vergangenheit für eine Regelung nach australischem Vorbild ausgesprochen.