München (epd). Vertreter aus Politik und Kirchen haben die frühere Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, mit Blick auf deren 90. Geburtstag an diesem Samstag (29. Oktober) gewürdigt. Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm bezeichnete es als "Segen, dass Sie bis ins hohe Alter so präsent sind und mit uns gemeinsam für Menschenwürde, Toleranz und Demokratie einstehen". Der Beauftragte der bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, Ludwig Spaenle, bezeichnete Begegnungen mit ihr als "Gewinn".
Spaenle sagte, die Präsidentin der Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern sei eine "einzigartige Repräsentantin des deutschen Judentums". Knobloch gehöre, wie der verstorbene Max Mannheimer, "zu den wichtigsten Stimmen des Judentums im öffentlichen Diskurs in Deutschland und darüber hinaus". Als Zeitzeugin und Gesprächspartnerin habe sie sich "selbst in den Dienst einer demokratischen Ordnung" gestellt, sagte er. Zugleich wisse sie, "wie zerbrechlich ein demokratisches Gemeinwesen sein kann - mit allen Folgen für Minderheiten", sagte der Antisemitismus-Beauftragte.
Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) sagte, es sei entscheidend auch Knoblochs Verdienst, dass das jüdische Leben in München, Bayern und Deutschland wieder aufgeblüht ist: "Sie sind die Stimme der jüdischen Gemeinschaft weit über Bayern hinaus und haben den öffentlichen Diskurs maßgeblich mitgeprägt." Dabei habe sich Knobloch stets für die Sichtbarkeit des jüdischen Lebens und für das friedliche Miteinander in der deutschen Gesellschaft eingesetzt, sagte er: "Ich danke Ihnen sehr für Ihr beeindruckendes Wirken und wünsche Ihnen von Herzen alles Gute!"
Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm dankte Knobloch in einem Glückwunschschreiben für ihre besonderen Verdienste als Repräsentantin des Judentums in Deutschland. Knobloch stehe für ein Judentum, das trotz des Holocausts "Ja zum Leben" sage und das Deutschland, "auch in größter Anfechtung angesichts antisemitischer Gewalt in Worten und in Taten nicht aufgegeben habe". Der Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx dankte Knobloch "für das unerschütterliche Vertrauen", das sie "in die Kirchen und die christlichen Dialogpartner gesetzt" habe und immer wieder setze.
Knobloch wurde am 29. Oktober 1932 in München als Tochter des Rechtsanwalts Fritz Neuland geboren. In einem Versteck in Franken überlebte sie den Holocaust und kehrte 1945 nach München zurück. Seit 1982 wirkt sie im Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern und ist seit 1985 deren Präsidentin. Unter ihrem Vorsitz wurde in München am 9. November die neue Münchner Hauptsynagoge Ohel Jakob eröffnet, im März 2007 folgten das Gemeindezentrum sowie das von der Stadt München erbaute und betriebene Jüdische Museum.
Sie war zudem Jahre Vizepräsidentin und von 2006 bis 2010 Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland. Ferner war sie über mehrere Jahre Vizepräsidentin im European Jewish Congress und im World Jewish Congress. Für letzteren ist sie bis heute als Beauftragte für das Holocaust-Gedenken tätig. An diesem Sonntag (30. Oktober) wird Knoblochs Leben und Wirken bei einer Feierstunde in München gewürdigt, daran nehmen unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) teil.