Augsburg (epd). Die Evangelische Kirche im Dekanat Augsburg geht weitere Schritte im Zukunftsprozess. Das oberste Leitungsgremium, die Dekanatssynode, hat am Samstag beraten, wie man sich auch in Augsburg auf künftig deutlich weniger Kirchenmitglieder, Personal und finanzielle Mittel einstellt. Die Dekanatssynode schlage daher eine Struktur- und Verwaltungsreform vor, teilte das Dekanat mit. Ein entsprechendes Konzept für die künftige Aufstellung des Dekanats soll bis Ende des Jahres erarbeitet werden. Der Transformationsprozess ist nicht nur in Augsburg Thema, sondern in der ganzen bayerischen Landeskirche sowie in anderen Landeskirchen auch.
"Wir spüren deutlich, dass wir unsere Strukturen weiterentwickeln müssen, um die frohe Botschaft des Evangeliums auch zukünftig wahrnehmbar zu verkünden und uns für Menschenwürde, Gemeinschaft und Gerechtigkeit einsetzen zu können", sagte der Vorsitzende der Synode, Dekan Frank Kreiselmeier. Input holte sich die Dekanatssynode aus den Nachbardekanaten München und Ingolstadt sowie von Steffen Bauer, der Landeskirchen und auch bayerische Dekanate beim Transformationsprozess berät und begleitet.
Kirchliche Bindung vor Ort ist wichtig
Der Transformationsprozess sei ein Spagat, sagte Bauer in seinem Vortrag. Man müsse abwägen, was und wie viel man an Bewährtem belasse und was man Neues entwickeln wolle. Und man müsse sich einigen, ob man große strukturelle Reformen angehen oder eher in kleinen Schritten gehen wolle. Letzteres berge die Gefahr, dass man noch während des Reformprozesses nachjustieren müsse. Seiner Erfahrung nach sei die Bindung und die Nähe zur Kirche vor Ort essenziell wichtig, Verwaltungsaufgaben hingegen könnten gern aus den Ortsgemeinden abgezogen werden.
Der Regionalbischof für Schwaben-Altbayern, Klaus Stiegler, der der Sitzung beiwohnte, sagte in einem Statement: "Wir müssen uns lösen vom bisherigen Gemeindebild: ein Pfarrer, eine Gemeinde." Das sei künftig mit weniger Personal nicht mehr einlösbar. Die Finanzkraft der bayerischen Landeskirche wird laut aktuellen Prognosen der Landeskirche bis 2035 um real 40 Prozent abnehmen. Die Zahl der Mitglieder wird voraussichtlich von derzeit zwei Millionen auf rund 1,6 Millionen sinken. Dazu kommen 40 Prozent weniger hauptamtliches Personal und 50 Prozent weniger Immobilien.
In Augsburg wären fünf bis sieben Regionalgemeinden möglich
Als zentrales Element wurde in Augsburg die Einführung sogenannter Regionalgemeinden diskutiert. Diese könnten künftig zentrale Aufgaben gebündelt übernehmen - für mehrere weiterhin eigenständige Kirchengemeinden vor Ort. Als Richtgröße nennt die Landeskirche Regionalgemeinden mit mindestens 8.500 Mitgliedern, für das Dekanat Augsburg wären das fünf bis sieben Regionalgemeinden. Zudem sieht die Synode in multiprofessionellen Teams, also verschiedenen Berufsgruppen, die enger zusammenarbeiten, ein zeitgemäßes Modell kirchlicher Arbeit.