Augsburg, München (epd). Drogenkonsumräume sind in mehreren Bundesländern erlaubt - Bayern lehnt solche Einrichtungen aber weiterhin strikt ab. "Die Duldung derartiger rechtsfreier Räume gefährdet die Rechtssicherheit und Rechtsgleichheit", teilte das CSU-geführte Gesundheitsministerium dem Evangelischen Pressedienst (epd) auf Anfrage mit. Es sei ein Widerspruch, wenn Besitz und Erwerb von bestimmten Drogen strafrechtlich verfolgt, der Konsum in solchen Einrichtungen aber vom Staat toleriert werde. Die deutschlandweit ersten Drogenkonsumräume wurden 1994 in Frankfurt am Main und Hamburg eröffnet.

Befürworter von Drogenkonsumräumen argumentieren, dass ein kontrollierter Konsum unter Aufsicht Leben retten könne. Drogenkonsumräume wären ein Segen, sagte die Sozialarbeiterin Melanie Schneele von der Drogenhilfe Schwaben dem epd. Sie arbeitet im neu eröffneten Forum St. Johannes in Augsburg-Oberhausen, das täglich bis zu 100 Suchtkranke besuchen. "Die Menschen wären in einem geschützten Rahmen und wir könnten bei Notfällen sofort reagieren." Das wäre eine Entlastung für die Krankenhäuser, aber auch für die Anwohner, wenn weniger Drogenbesteck auf der Straße weggeworfen würde, sagte Schneele.

Immer mehr Jüngere sterben an Drogen

Die bayerische Staatsregierung setze hingegen auf "intensive Aufklärung" und "wirksame Hilfen" für Suchterkrankte, teilte der Sprecher des Gesundheitsministeriums weiter mit. Bayern investiere in diesem Jahr rund acht Millionen Euro in Suchtprävention und Suchthilfe. Es gebe etwa flächendeckende Substitutionsangebote, Spritzentauschprogramme sowie ein umfassendes Netz an Kontaktläden und Begegnungsstätten. Auch "Naloxon"-Notfallschulungen seien von zentraler Bedeutung, sagte der Sprecher. Das Medikament "Naloxon", häufig als Nasenspray verabreicht, hebt bei einer Überdosis die Wirkung von Opioiden wie Heroin oder Fentanyl auf und rettet somit Leben.

In Bayern gab es im vergangenen Jahr laut Innenministeriumsangaben insgesamt 256 drogenbedingte Todesfälle, deutschlandweit waren es 2.150. Besonders viele Drogentote waren zwischen 40 und 50 Jahre alt. Doch sie werden jünger: Das Durchschnittsalter eines Drogentoten in Bayern ist im vergangenen Jahr um 2,3 Jahre auf 36,1 Jahre gesunken. Der deutliche Anstieg der Todesfälle von Personen unter 30 Jahren sei besorgniserregend - "insbesondere bei den Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren", teilte das Innenministerium mit. Acht Jugendliche seien im vergangenen Jahr gestorben, doppelt so viele wie noch 2024.