Erlangen (epd). Der frühere Lehrstuhlinhaber für Systematische Theologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Hans G. Ulrich, ist tot. Der evangelische Theologie-Professor (Jahrgang 1942) starb am Donnerstagabend nach kurzer schwerer Krankheit, wie seine Familie dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Freitag auf Anfrage bestätigte. Ulrich hatte den Lehrstuhl von 1981 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2007 inne und blieb der Universität bis zuletzt stark verbunden.

Sein Nachfolger auf dem Lehrstuhl für Systematische Theologie, Professor Peter Dabrock, sagte dem epd, Ulrich habe zu der Art von Theologen und Intellektuellen gehört, "die es nicht mehr so häufig gibt und die wir in dieser Zeit mehr denn je bräuchten". Ulrich habe auf eine "einzigartig aufmerksame Weise" zugehört und über Gehörtes und Gelesenes erst intensiv nachgedacht, "bevor er sich - dann immer klug und im Ton oft bedächtig - zu Wort gemeldet hat".

Ulrich habe sich von den ethischen Herausforderungen, mit denen er zum Beispiel im Klinischen Ethikkomitee konfrontiert worden sei, "innerlich ansprechen lassen und diese so mit seinen ethischen Kriterien zusammengedacht, dass deutlich blieb: Die Ethik ist für die Menschen da, nicht umgekehrt", sagte Dabrock. Für Ulrich habe es "immer viel zu entdecken" gegeben, sagte Dabrock. Nicht umsonst habe Ulrich seinen Ansatz "Explorative Ethik" genannt.

Dabrock sagte, er habe Ulrichs "offene, warmherzige und kluge Art" in den vergangenen 16 Jahren in Erlangen überaus geschätzt. Es seien "gemeinsame Jahre" gewesen, da Ulrich sich nicht gescheut habe, mit ihm als seinem Nachfolger im Oberseminar theologisch, ethisch und sozialtheoretisch zu diskutieren: "Wer ihn so kennenlernen durfte, weiß, warum Hans Ulrich einen so großen Freundes- und Schülerkreis um sich scharen konnte", sagte Dabrock.