München, Luxemburg (epd). Der designierte Europäische Generalstaatsanwalt Andres Ritter mahnt Ungarns künftige Regierung zu schnellem Handeln bei der Aufarbeitung möglicher Korruption aus der Orban-Ära. "Was man nicht möglichst schnell sichert - sowohl an Beweisen als auch an kriminell erlangtem Vermögen -, wird man später kaum noch bekommen", sagte Ritter der "Süddeutschen Zeitung" am Sonntag in München. Ritter tritt sein Amt mit Dienstsitz Luxemburg am 1. November an.
Der künftige ungarische Ministerpräsident Péter Magyar hatte angekündigt, der Europäischen Staatsanwaltschaft (EPPO) beizutreten. Die Behörde klärt Straftaten zulasten des EU-Budgets auf. In Ungarn geht es vor allem um den Verdacht, dass sich Freunde und Verwandte Orbáns systematisch EU-Fördergelder erschlichen haben sollen, etwa über staatliche Agrarflächen, Baufirmen und überhöhte Budgets bei öffentlichen Ausschreibungen.
Ritter sagte der SZ, es bestehe "der stark begründete Verdacht, dass Misswirtschaft auch zur Bereicherung von Amtsträgern und Angehörigen dieser Regierung geführt hat". Zentral sei, die Zuständigkeit der Ermittler rückwirkend zu ermöglichen - konkret zum 1. Juni 2021, als die EPPO operativ tätig geworden war.