Würzburg (epd). Vor der nächsten Hitzewelle in Deutschland will die Geschäftsführerin der ökumenischen Christophorus-Gesellschaft in Würzburg, Nadia Fiedler, das Augenmerk auf wohnungslose Menschen lenken. So wären Klimaanlagen für Aufenthaltsräume oder Übernachtungsmöglichkeiten wünschenswert, außerdem mehr Trinkbrunnen im öffentlichen Raum und mehr Schattenplätze, an denen auch Menschen ohne festen Wohnsitz geduldet werden, sagte Fiedler dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erwartet ab diesem Wochenende wieder Temperaturen von 30 Grad und mehr.
"Wir haben bei uns in der Wärmestube seit vergangenem Jahr einen kostenlosen Wasserspender", erläutert die Geschäftsführerin des Sozialunternehmens. Dort könnten sich die Besucherinnen und Besucher kostenlos und so oft sie wollen Wasser mit und ohne Kohlensäure zapfen. Man gebe auch "Flaschen zum Selberbefüllen aus, damit sich die Menschen auch für unsere Schließzeiten mit Wasser eindecken können". Das Angebot werde gut genutzt, sagte sie. Die Situation für obdachlose Menschen - und auch alle anderen - würde sich erheblich verbessern lassen, wenn kostenlose Trinkbrunnen flächendeckend zur Verfügung stehen würden.
Obdachlose nicht aus dem Schatten vertreiben
Fiedler wies auf die besondere Gefährdung obdachloser Menschen bei extremen Temperaturen hin. Wer keine schattigen Plätze finde oder in Parkanlagen vertrieben werde, für den seien extrem heiße Tage belastend für Körper und Psyche. Auch die Aggressivität nehme zu. Besonders jene, die wegen Drogen- oder Alkoholsucht nur eingeschränkt steuerungsfähig sind, könnten die Risiken oft nicht mehr einschätzen. "Wer sich im Rausch in die pralle Sonne legt, braucht Hilfe - da ist die Aufmerksamkeit aller gefordert bei diesen Temperaturen", sagte Fiedler. Ansonsten drohten den Betroffenen ein Hitzschlag oder ein Kreislaufkollaps.
Laut Fiedler seien natürlich alle Sofortmaßnahmen gegen die Hitze und deren gesundheitliche Folgen wichtig und richtig. "Aber wenn die Politik den Klimawandel weiter ignoriert und nicht entschieden gegensteuert, ist das alles Hamsterrad-Aktionismus", erläuterte sie. Bei extremer Hitze verfielen alle in Panik und versuchten, die schlimmsten Auswirkungen zu lindern. "Aber sobald es kühler wird, sind wir alle wieder entspannt, bis die nächste Hitzewelle kommt", sagte die Christophorus-Geschäftsführerin: "Das ist nicht sinnvoll - nicht nur für die Menschen auf der Straße."