Eichstätt (epd). Einen weniger beachteten Grund für Lebensmittelverschwendung in privaten Haushalten hat ein Team der Katholischen Universität (KU) Eichstätt-Ingolstadt untersucht. Sie stellten fest, dass das Brechen guter Vorsätze dazu beiträgt, dass gerade gesunde Nahrung in der Tonne landet, teilte die Hochschule am Mittwoch mit.
Bislang habe die Wissenschaft Lebensmittelverschwendung hauptsächlich mit Fehlern in der Einkaufsplanung, mangelnder Selbstkontrolle beim Einkaufen, falscher Lagerung oder starrem Festhalten am Mindesthaltbarkeitsdatum begründet. All diese Faktoren würden zwar dazu beitragen, dass Lebensmittel weggeworfen würden, sagte der Professor für Volkswirtschaftslehre, Alexander Danzer. Sie erklärten das Problem aber nicht allein. Schließlich gehe trotz guter Informationskampagnen die Lebensmittelverschwendung nicht zurück.
Das Forschungsteam stellte nun bei einer repräsentativen Studie mit 1.300 Teilnehmern fest, dass 49 Prozent der Befragten im schnellen Alltag ihren Vorsatz brechen, sich gesund mit Gemüse und Salat zu ernähren, den sie beim bewussten Schreiben des Einkaufszettels noch hatten. Wer aber erschöpft vom Arbeitstag entscheiden müsse, was er koche, würde sich vielfach aus Bequemlichkeit dann doch für die Tiefkühlpizza entscheiden und das Gemüse werde derweil älter, so Danzer.
Das bedeute, dass ein Großteil der Lebensmittelverschwendung ausgerechnet durch die Entsorgung gesunder Lebensmittel entstehe, da diese oft leicht verderblich sind. 57 Prozent der Befragten gaben an, in den letzten sieben Tagen zu Hause verdorbene Lebensmittel gefunden zu haben. 24 Prozent warfen Lebensmittel weg, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten war.
Ansätze gegen solches Verhalten könnten nach Meinung der Wissenschaftler höhere Steuern auf vorproduzierte Speisen sein, die dann potenziell weniger gekauft würden, oder aber für gesunde Lebensmittel, die dann weniger leichtfertig weggeworfen würden. Denkbar sei auch das "Anstupfen" der Konsumenten durch eine App, die an die guten Vorsätze und das Gemüse im Kühlschrank erinnert. Der Erfolg solcher Maßnahmen müsse aber noch erforscht werden, so das Team.
In den deutschen Haushalten werden den Angaben nach 60 Prozent der rund elf Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen, die insgesamt jährlich in Deutschland in der Tonne landen.