Amberg (epd). Zum Weltfrauentag hat die evangelische Dekanin Ulrike Dittmar dazu aufgerufen, die Solidarität von Frauen in der Gesellschaft sichtbarer und erlebbarer zu machen. Solidarität sei ein "Lebensprinzip, das sich aus dem Glauben ergibt" und ein "tragendes Element der Gesellschaft", sagte die Theologin am Sonntag im Gottesdienst in der Amberger Paulanerkirche laut Predigtmanuskript. Das Miteinander der Frauen sei "ihre besondere Stärke" und "unendlich wichtig für die Welt".

Die männlichen Verfasser der Evangelien hätten den Frauen eine untergeordnete Rolle zugeschrieben. Trotzdem seien Frauen in der Bibel präsent, sagte Dittmar: Bei der Auferstehung Jesu am Ostermorgen "waren Frauen die ersten Zeuginnen am leeren Grab".

Liesel Bruckner als Vorbild für andere Frauen

Bis in die Gegenwart hinein sei das solidarische Handeln von Frauen oft nur "zwischen den Zeilen" erlebbar. Dittmar erinnerte an die Leistungen der "Trümmerfrauen", die Deutschland in der Nachkriegszeit mit aufgebaut hätten. Frauen-Solidarität könne anderen auch "ein wenig Angst" machen, "schließlich stellen wir 50 Prozent der Bevölkerung", führte Dittmar aus. "Aber zeigen wir doch, wie es geht!"

Die Paulanergemeinde Amberg feierte von Freitag bis Sonntag (6.-8. März) ein Frauenwochenende zu "50 Jahre Frauenordination", an dem sich neben Theologinnen des Dekanats auch zahlreiche Frauenverbände beteiligten. Als ein weibliches Vorbild für Frauen-Solidarität stellten sie mit einer Ausstellung die erste bayerische Pfarrerin Liesel Bruckner heraus. Sie habe ihr Leben lang mutig dafür gekämpft, dass auch Frauen in der bayerischen evangelischen Landeskirche Pfarrerinnen werden durften, hieß es. Erst kurz vor ihrem Ruhestand wurde Bruckner am 4. April 1976 in ihrer Heimatgemeinde Amberg ordiniert, so lange hatten Frauen um ihre theologische Gleichberechtigung kämpfen müssen.