München (epd). Vier Millionen Euro sollen nach zwei Anträgen der Landtags-Grünen im bayerischen Staatshaushalt für die Umnutzung von Kirchen bereitgestellt werden. "Beide Kirchen werden nach eigener Aussage bis 2035 rund 50 Prozent ihrer Gebäude in Bayern nicht mehr halten können", erklärte die denkmalpolitische Sprecherin der Grünenfraktion im Landtag, Sabine Weigand, in einer Mitteilung vom Mittwoch. Viele Kirchengemeinden seien dadurch gezwungen, neue Nutzungen zu finden "oder einen Käufer". Dabei seien oft Städte und Kommunen die Wunschpartner, die jedoch oft selbst "klamme Haushalte" hätten.

Deshalb hat die Fraktion 2,5 Millionen Euro im Staatshaushalt beantragt, die als Fördermittel für jene Kommunen ausgegeben werden können, die angekaufte Sakralbauten sanieren und für öffentliche Zwecke nutzen wollen. Ein zweiter Antrag fordert 1,5 Millionen Euro für Pilotprojekte zur Kirchenumnutzung und eine zusätzliche, dafür zuständige Stelle im Landesamt für Denkmalschutz. Beide Anträge liegen dem Evangelischen Pressedienst (epd) vor.

"Kirchen sind Teil unserer kulturellen Heimat"

In einem der Papiere begründet die Landtagsfraktion ihren Vorstoß damit, dass Sakralgebäude "einen wesentlichen Teil unserer kulturellen Heimat bilden. Sie liegen oft zentral im Ort, bieten die größten Innenräume in unseren Kommunen und prägen das Ortsbild". Kirchen müssten deshalb erhalten und für Gemeinwohlzwecke transformiert werden. Der Freistaat habe die Aufgabe, diesen Prozess auch finanziell zu unterstützen.

Da rund 85 Prozent der bayerischen Kirchen unter Denkmalschutz stünden, seien neue Nutzungskonzepte häufig schwierig umzusetzen, erklärte Weigand. Nötig dafür seien "gute, verbindliche Leitlinien", die nicht nur von den Kirchen und dem Landesamt für Denkmalpflege entwickelt werden dürften. Stattdessen müssten auch Hochschulen, Architektenverbände, Kommunen und die Immobilienwirtschaft mit an den Diskussionstisch geholt werden.

In Bayern gibt es aktuellen Zahlen zufolge rund 10.600 evangelische und katholische Kirchen, etwa 7.800 sind denkmalgeschützt. Seit dem Jahr 2015 wurden auf evangelischer Seite 30 Kirchen aufgegeben oder umgenutzt, bei den Katholiken waren es etwa 34 Gotteshäuser.