München (epd). Die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, hat entsetzt auf das gute Abschneiden der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt reagiert. "An Tagen wie diesem fällt es mir schwer, meine Heimat noch wiederzuerkennen", sagte die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern laut Mitteilung: "Dass Rechtsextreme in Deutschland in dieser Art wieder Wahlen gewinnen, das hätte ich mir in meinen schlimmsten Albträumen nicht vorstellen können."
Die AfD hatte am Sonntagabend laut Hochrechnung der ARD (Stand 18:56 Uhr) 44,4 Prozent der Stimmen erzielt und wurde damit klar stärkste Partei. Die CDU halbierte ihr Ergebnis auf 18,4 Prozent, die Linke lag bei 9,2 Prozent, die SPD bei 8,4 Prozent und die Grünen erreichten 8,7 Prozent. Das BSW landete bei 5,0 Prozent. Zum Zeitpunkt der Hochrechnung war noch unklar, ob dies für einen Wiedereinzug ins Parlament genügt. Alle anderen Parteien scheiterten an der Fünf-Prozent-Hürde. Die absolute Mehrheit hat die AfD wohl verpasst.
Knobloch: Will dieses Land nicht verloren geben
Knobloch sagte, das Wahlergebnis aus Sachsen-Anhalt sei ein Zeichen, "dass die Statik der Demokratie in unserem Land nicht mehr funktioniert - und ich sage ganz offen: Das macht mir Angst". Allen, die ihre Stimme demokratischen Parteien gegeben haben, gelte an diesem Tag ihr Dank, erläuterte Knobloch. Dass die AfD eine Alleinregierung knapp verpassen dürfte, sei kein Grund zur Zufriedenheit oder gar Freude. "Wir dürfen - und ich will - dieses Land nicht verloren geben", appellierte sie an Politik und Wähler.