Nürnberg, München (epd). Zum fünften Mal findet am 2. Oktober in Bayern die Lange Nacht der Demokratie statt. Mehr als 60 Kommunen beteiligen sich - fast doppelt so viele wie vor zwei Jahren mit 35 Kommunen, heißt es auf der Website des Bayerischen Volkshochschulverbands (BVV). Am Vorabend des Tags der Deutschen Einheit (03.10.) sollen laut BVV demokratische Werte in vielfältigen Formaten erlebbar werden - in Gesprächen, Diskussionen, Kulturveranstaltungen und Mitmachaktionen, bei denen sich unterschiedliche Einrichtungen einbringen. Der BVV leitet heuer die Lange Nacht, Schirmherrin ist die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU).

"In einer Demokratie zu leben, ist keine Selbstverständlichkeit", so der BVV. Sie zu bewahren sei "eine Aufgabe für uns alle". Bei der Langen Nacht soll sie "von einer abstrakten Regierungsform zu einer konkreten Idee" werden. Häufige Themen bei den Veranstaltungen bayernweit sind etwa Desinformation und Faktenchecks, zudem Gesprächsführung und Diskussionskultur. Kinder und Jugendliche werden ebenso adressiert wie Erwachsene.

Was bedeutet Menschenwürde heute?

Die BVV-Website zur Veranstaltung listet, von Aichach-Friedberg bis zum Würmtal, die teilnehmenden Kommunen aus allen Regierungsbezirken auf. Im Münchner Olympiadorf etwa will die Journalistin Margarete Moulin im Vortrag "Nie wieder sprachlos" das Handwerkszeug für konstruktive Debatten vermitteln. Im Bildungszentrum "Einstein 28" geht der Jurist Georg M. Oswald der Frage nach, was der Verfassungsgrundsatz "Die Würde des Menschen ist unantastbar" heute bedeutet.

In Nürnberg, im ehemaligen Kaufhof-Gebäude, schlüpfen beim Wettbewerb "INXIT-EU - Ready für die EU?" die Teilnehmenden in die Rolle eines fiktiven Landes, das EU-Mitglied werden möchte. Im Bildungszentrum kann die Methode "Betzavta" (hebräisch für Miteinander) ausprobiert werden, die Demokratie als gelebte Gemeinschaft versteht. Im Haus Eckstein zeigt die philippinische Menschenrechtlerin Jonnah Morado, wie ihre Organisation IDEALS mit KI Desinformation entgegenwirkt.

Speedvorträge im Augsburger Rathaus

Im Augsburger Rathaus erwartet die Besuchenden ein Programm mit rund 40 Angeboten - darunter ein gemeinsames Singen, ein Streitgespräch über die Zukunft der Städte und ein Poetry-Slam. Zudem finden ein Dutzend "Speedvorträge" statt, etwa zum Thema "Was hat Minecraft mit Demokratie zu tun?", sowie Mitmachaktionen wie ein Escape Game.

In Regensburg verwandelt sich das Thon-Dittmer-Palais unter dem Motto "DEMOCRAZY" in einen Erlebnispark der Demokratie, wo sich die Teilnehmenden auf individuelle Entdeckungstouren begeben. Per Quiz finden sie heraus, "welcher Demokratietyp" sie jeweils sind, und erhalten eine "Routenempfehlung" durch die Aktionen, Gespräche, Spiele und Filme.

Marktheidenfeld: Demokratische Orgelmusik

Nicht nur in Großstädten ist viel geboten, teilweise planen auch kleinere Gemeinden ein umfangreiches Programm. So veranstaltet etwa Marktheidenfeld (Kreis Main-Spessart) einen Demokratieparcours, einen Vortrag über Hannah Arendt und ein Bilderbuchkino. Zudem finden in der Laurentiuskirche eine Plakataktion zu Bibel und Grundgesetz sowie Orgelmusik mit Demokratieliedern statt.

Seit 2018 ist die Lange Nacht der Demokratie, die zweijährlich unter dem Dach der Stiftung Wertebündnis Bayern stattfindet, als bayernweites Projekt etabliert. In den vergangenen beiden Jahren wurde sie erstmals auch in anderen Bundesländern durchgeführt. Heuer sind neben dem Freistaat auch Baden-Württemberg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen mit dabei.