Nürnberg (epd). Rückschritte in Bezug auf Frauenrechte weltweit machen der Generalsekretärin des Lutherischen Weltbundes (LWB), Anne Burghardt, Sorgen. Bei der Feier zum 50-jährigen Jubiläum der Frauenordination in der bayerischen Landeskirche sagte sie am Samstagabend in Nürnberg, auch in LWB-Mitgliedskirchen würden Frauen als Pfarrerinnen zunehmend infrage gestellt. Sie sieht das in einem Zusammenhang mit der Zunahme rechtskonservativer und rechtsradikaler Parteien in vielen Ländern.

In nicht-westlichen Ländern werde die Frauenordination oft als ein Nachgeben vor einer westlichen Kultur oder Ideologie gewertet, sagte Burghardt. "Deshalb soll man auch verstärkt theologisch für die Frauenordination argumentieren, und nicht lediglich mit den auf den Menschenrechten basierenden Argumenten", erläuterte die estnische Pfarrerin, die die 78 Millionen Christen im LWB vertritt.

Sie rief dazu auf, "sich immer wieder klarzumachen, dass Frauenordination keine menschliche Erfindung ist". Gott rufe sowohl Männer als auch Frauen in den geistlichen Dienst. Das Argument, dass nur Männer Pfarrer und Priester sein dürften, grenze für sie an Ketzerei, sagte die Theologin. Sie wünsche sich, dass in 50 Jahren das Jubiläum der Frauenordination nicht mehr gefeiert werde, weil die Argumente für Frauen in geistlichen Ämtern zur Selbstverständlichkeit geworden seien.

Frauen der ersten Stunde geehrt

Der bayerische Landesbischof Christian Kopp hatte zu Beginn der Festveranstaltung betont, er könne sich eine Kirche ohne Frauen nicht vorstellen. Jede einzelne der Pfarrerinnen verdiene es, in den Mittelpunkt gestellt zu werden. 50 Jahre Frauenordination seien ein "Kapitel gelebter Gerechtigkeit", erklärte die scheidende Präsidentin der bayerischen Landessynode, Annekathrin Preidel.

Besonders hervorgehoben wurden bei der Jubiläumsfeier zwölf "Frauen der ersten Stunde", unter ihnen Pfarrerinnen, die nach ihrem Studium jahrzehntelang auf ihre Ordination warten mussten. Am 4. April 1976 wurden als erste evangelische Pfarrerinnen in Amberg und Fürth Liesel Brucker und Käthe Rohleder ordiniert, nachdem das bayerische Kirchenparlament 1975 per Gesetz die Frauenordination möglich gemacht hatte.