Nürnberg (epd). Eine Abschaffung der vom Bund geförderten Asylverfahrensberatung hätte tragische Folgen für Flüchtlinge, befürchtet die Referentin für Migration bei der Diakonie Bayern, Lisa Scholz. Die Beratung sei besonders wichtig, wenn über sensible Themen bei einer Anhörung beim Bundesamt für Asyl und Flüchtlinge (BAMF) gesprochen werde, sagte Scholz am Dienstag im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Über sexuelle Orientierung, über Traumata oder über eine Vergewaltigung auf dem Fluchtweg zu sprechen, ist für die Betroffenen oft sehr schwer", sagte Scholz. Welche Folgen es aber haben könne, solche Punkte nicht anzusprechen, darüber könnten die Berater aufklären.

Eine weitere Stärke der Asylverfahrensberatung liege darin, dass sich Asylsuchende schon vor einer Anhörung über die Chancen ihres Asylantrags informieren könnten und erfahren, welche Wege es für sie gibt. Das Bundesinnenministerium will das Programm ab 2027 nicht mehr fördern. Die deutschlandweit 25 Millionen Euro dafür stünden nicht mehr im Haushaltsentwurf, sagte Scholz.

In Bayern gibt es noch ein Landesprogramm für die Asylberatung

100 Prozent der Asylberatung selbst zu übernehmen, könne sich die Diakonie auf keinen Fall leisten, so die Referentin. Für die Diakonie Bayern bedeute der Wegfall der Beratung daher, dass die Beschäftigten auf zehn Vollzeitstellen in anderen migrationsbezogenen Diensten untergebracht würden. Scholz ist froh, dass es in Bayern noch ein Landesprogramm gibt, mit dem die Asylberatung unterstützt werde. "In anderen Bundesländern droht eine Tragödie, weil dort mit der Einführung des Bundesprogramms die Länderprogramme abgeschafft wurden. Dort gibt es dann gar nichts mehr."

Viel Hoffnung, dass das Aus rückgängig gemacht wird, hat sie nicht: "Dafür ist kein politischer Wille da", erklärt Scholz. Das sehe man auch daran, dass eine erfolgte Evaluation des Programms nach ihren Informationen bislang unter Verschluss gehalten werde. Die behördenunabhängige Asylverfahrensberatung wurde vom Bund erst seit 2023 unterstützt. Sie wurde unter der Ampel-Koalition im Asylgesetz festgeschrieben. Ziel war eine höhere Effizienz und Akzeptanz der Asylverfahren.

Das Bundesinnenministerium hat sich zur drohenden Streichung der Mittel bislang selbst nicht geäußert, sondern laut Medienberichten auf die Haushaltsverhandlungen verwiesen.