München (epd). Bayern stellt Soforthilfen von mindestens 100 Millionen Euro für Hochwasser-Opfer im Freistaat zur Verfügung. Wenn mehr benötigt werde, gebe es mehr, kündigte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Dienstag nach der Kabinettssitzung in München an. Dementsprechend sprach er auch von "100 Millionen plus x". Bei Existenzbedrohung sollen sogar 100 Prozent der Kosten übernommen werden. Es solle schnell und unbürokratisch geholfen werden. Zugleich forderte Söder Geld aus dem bundesweiten Fluthilfefonds, der vor drei Jahren nach der Hochwasserkatastrophe vom Ahrtal eingerichtet wurde und in den Bayern bereits mehr als 100 Millionen Euro eingezahlt habe.
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatten nach ihren Besuchen im Hochwassergebieten am Sonntag und Montag Unterstützung für den Wiederaufbau zugesagt.
Die ersten Soforthilfen sollen ab Donnerstag fließen, kündigte Finanzminister Albert Füracker (CSU) an. Die Soforthilfe ist nach Privathaushalten, Unternehmen und landwirtschaftlichen Betrieben eingeteilt, Versicherungsleistungen werden abgezogen: Privathaushalte können für Hausrat bis zu 5.000 Euro erhalten, bei Ölschäden bis zu 10.000 Euro. Unternehmen können je nach Grad der Zerstörung zwischen 5.000 und 200.000 Euro an Soforthilfen bekommen, land- und forstwirtschaftliche Betriebe zwischen 5.000 und 50.000 Euro. Für alle gilt: Wenn durch das Hochwasser die Existenz gefährdet ist, sollen sogar 100 Prozent der Kosten erstattet werden.
Söder sagte weiter, dass es angesichts des Klimawandels auch in den kommenden Jahren Hochwasser-Katastrophen geben werde. "Es gibt keine Kontrolle über das Wetter und das Klima. Wir können es auch nicht steuern." Deshalb gebe es auch keinen hundertprozentigen Schutz vor Klimaveränderungen. Söder forderte daher erneut den Bund auf, eine Pflichtversicherung für Wohneigentümer gegen Elementarschäden einzuführen. Die Beiträge dafür müssten aber gedeckelt sein. Menschen in Risikogebieten sollten keine exorbitant hohen Summen zahlen müssen, mahnte der Ministerpräsident.
Hilfsorganisationen fordern derweil eine bessere Ausstattung für Katastrophenfälle. Die Präsidentin des Technischen Hilfswerks (THW), Sabine Lackner, sagte der "Augsburger Allgemeinen" (Dienstag): "Wir liegen mit rund 400 Millionen Euro für das laufende Jahr noch ein Stück über dem Niveau aus der Zeit vor der Corona-Pandemie, umgerechnet sind das etwa vier Euro pro Bundesbürger und Jahr, also nicht wirklich viel." Die Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes, Gerda Hasselfeldt, sieht Nachholbedarf für den Bevölkerungsschutz. Hier sei die Finanzierung in den vergangenen Jahren "sehr stark zurückgegangen", sagte sie am Dienstag dem Radiosender Bayern2. Konkret nannte sie geländegängige Fahrzeuge, entsprechende Boote und mobile Arztpraxen.
In Bayern waren seit dem Wochenende mehr als 60.000 Rettungskräfte im Bayern. Er sei stolz und dankbar, wie professionell die Einsätze und rund 6.600 Evakuierungen abgelaufen seien, sagte Söder. Das Hochwasser halte Bayern aber weiter in Atem, die Scheitelpunkte entlang der Donau würden im Laufe des Tages erwartet. "Wir müssen weiter konzentriert bleiben", mahnte Söder. Die Lage sei weiterhin ernst und kritisch. Auch Innenminister Joachim Herrmann (CSU) würdigte die Rettungskräfte, die mit großer Mehrheit ehrenamtlich unterwegs seien. "Das ist gelebte Solidarität, das ist gelebte Nächstenliebe."
Vom schweren Hochwasser sind vor allem der Süden und der Osten Bayerns betroffen. In 17 Landkreisen wurden seit dem Wochenende der Katastrophenfall ausgerufen. Drei Menschen in Bayern sind bislang in den Wassermassen ums Leben gekommen, sieben Personen werden vermisst.