Augsburg, München (epd). Die bayerische Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU) hat Männer, die Opfer von häuslicher Gewalt werden, dazu aufgerufen, sich Hilfe zu suchen. "Oft stecken Männer die Demütigungen, Drohungen oder Schläge jahre- und sogar jahrzehntelang ein. Ich würde mir sehr wünschen, dass noch mehr Männer diese Spirale des Schweigens durchbrechen", sagte Scharf laut Mitteilung am Montag anlässlich des sechsjährigen Bestehens des Männerhilfetelefons.

Etwa 30 Prozent der Opfer häuslicher Gewalt seien männlich, hieß es weiter. Doch sie suchten selten Beratung und Hilfe, oft aus Scham. Deshalb wurde am 22. April 2020 das Hilfetelefon "Gewalt an Männern" ins Leben gerufen. Es soll ein einfach zugängliches Angebot sein und betroffenen Männern Hilfe, Halt und ein offenes Ohr bieten. Ob psychische Gewalt, Misshandlung, Mobbing oder Übergriffe in der Partnerschaft, die Fachkräfte hörten zu, anonym, kostenlos und sicher.

Neben dem Hilfetelefon gibt es Beratungsstellen und Schutzwohnungen

Seit seiner Einführung ist die Zahl der Anrufenden den Angaben zufolge kontinuierlich gestiegen, in Bayern fanden 2025 rund 970 Beratungen statt. Bei mehr als zwei Drittel der Anrufenden handele es sich um von Gewalt direkt Betroffene, wobei die Gewalt vor allem in der Partnerschaft oder dem nahen sozialen Umfeld stattfinde. Knapp ein Viertel der Anrufe komme aus dem sozialen Umfeld der Betroffenen oder aus Fachstellen.

Das Hilfetelefon "Gewalt an Männern" wird von Augsburg aus betrieben und ist unter der Nummer 0800 123 99 00 zu erreichen. Neben den Gründungsländern Bayern und Nordrhein-Westfalen beteiligen sich Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz an der Finanzierung. Neben dem Hilfetelefon gibt es Beratungsstellen für betroffene Männer in München, Nürnberg und Augsburg sowie Schutzwohnungen in Nürnberg und Augsburg.