Berlin, München (epd). Viele Kitas kämpfen einer Erhebung zufolge weiterhin mit Personalproblemen. Bundesweit seien etwa 49.000 Stellen wegen fehlender Fachkräfte nicht besetzt, auf weiteren 58.000 Stellen gebe es Ausfälle wegen längerer Abwesenheiten, heißt es im neuen Kita-Bericht des Paritätischen Gesamtverbands. "Personalmangel ist vielerorts zum Dauerzustand geworden", resümierte der Verband.

Der Bericht basiert auf einer Befragung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in bundesweit 3.267 Kindertageseinrichtungen. Der Großteil von ihnen arbeitet in leitender Funktion. Eine deutliche Mehrheit von 65,3 Prozent der Befragten äußerte laut dem Paritätischen die Ansicht, der für ihre Einrichtung geltende Personalschlüssel reiche nicht aus, um den Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden. In Bayern sind im Mittel 3,6 Kita-Plätze wegen des Fachkräftemangels nicht belegt.

Betreuung wird häufig eingeschränkt

89,5 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer berichteten von einer starken psychischen Belastung der Fachkräfte. In 43,5 Prozent der Kitas verließ demnach innerhalb eines Jahres mindestens eine Fachkraft die Einrichtung aufgrund psychischer Belastung. Die Personalschwierigkeiten wirkten sich auch direkt auf die Familien aus: In 51,5 Prozent der Einrichtungen wurden Eltern in den vier Wochen vor der Befragung mindestens einmal gebeten, Kinder wegen Personalmangels nicht zu bringen oder früher abzuholen. In Bayern waren es 42,2 Prozent. Im Freistaat berichten allerdings 30,6 Prozent der Einrichtungen über mehr Zu- als Abgänge von Personal, also über wachsende Teams. Gleichzeitig fällt der Anteil schrumpfender Teams geringer aus als in anderen Bundesländern.

Im Bericht des Paritätischen wird zudem auf eine "Konzentration hoher Unterstützungsbedarfe" bei den betreuten Kindern in "sozial belasteten Sozialräumen" hingewiesen. Diese Bedarfe könnten oft nicht gedeckt werden. Der Verband forderte deshalb eine Umstellung der öffentlichen Kita-Finanzierung anhand eines Sozialindex: "Ressourcen sollen sich künftig nicht allein an der Zahl der betreuten Kinder bemessen, sondern gezielt nach Belastungslagen wie Armut, Migration und Inklusionsbedarf verteilt werden", erklärte der Paritätische.