Nürnberg (epd). Am Freitag sind im Rahmen des weltweiten Aktionstages "Parking Day" auch in vielen bayerischen Städten Parkplätze für einen Tag umfunktioniert worden. So wurden am Kornmarkt in Nürnberg auf 24 Parkplätzen Sitzgelegenheiten, Pflanzen und Informationsstände aufgebaut. Gleichzeitig war der Aktionstag der Beginn einer Unterschriftensammlung der Initiative "Nürnberg autofrei". Diese will mit einem Bürgerbegehren die Stadt dazu auffordern, den PKW-Verkehr drastisch zu reduzieren.
Auf einer Podiumsdiskussion am Freitagabend tauschten sich Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Forschung mit den Aktivisten über eine Verkehrswende in Nürnberg aus. Daniela Ullmann vom Forschungsbereich Intelligente Verkehrsplanung der Technischen Hochschule Nürnberg sagte, es müsse ein Gleichgewicht zwischen push- und pull-Faktoren geschaffen werden. So reiche ein kostengünstiger Öffentlicher Nahverkehr nicht aus, um Menschen dauerhaft zum Verzicht auf das Auto zu bewegen. Das Autofahren müsse gleichzeitig unattraktiver gemacht werden. Dies könne durch höhere Parkkosten oder weniger öffentlichen Raum für PKW passieren.
Alexander Kahl (Grüne) aus dem Nürnberger Stadtrat rechnete vor, dass durch eine Erhöhung der Preise für das Anwohnerparken auf 365 Euro pro Jahr rund vier Millionen Euro zusätzlich zusammenkämen, die in die Stärkung von ÖPNV und Radverkehr investiert werden könnten. Derzeit dürfen Städte und Gemeinden für Bewohnerparkausweise nur bis zu 30,70 Euro pro Jahr verlangen. Um eine echte Verkehrswende voranzutreiben brauche es "Mut, solche Maßnahmen durchzuziehen, auch wenn Kritik kommt", so Kahl.
Die Initiative "Nürnberg autofrei" stellt neun Forderungen an die Stadt, um den Autoverkehr in der Innenstadt bis 2030 um 80 Prozent zu reduzieren. So solle unerlaubtes Parken auf Gehwegen konsequent geahndet werden, der ruhende Verkehr solle gesenkt werden und es sollen 2.000 Mobilpunkte entstehen, die den Umstieg vom Auto auf Fahrrad, Roller oder zu Carsharing-Angeboten erleichtern. Autoverkehr solle vorrangig nur dann stattfinden, wenn er im öffentlichen Interesse ist, wie bei Rettungs- und Pflegedienstfahrten, oder dem Transport schwerer Lasten dient. Wenn bis Sommer 2023 15.000 Unterschriften zusammenkommen, können die Forderungen an die Stadt übergeben werden.