Coburg (epd). An die Bedeutung menschlicher Engel angesichts innerer Verzweiflung hat die Bayreuther evangelische Regionalbischöfin Berthild Sachs erinnert. Wer wie der Prophet Elia an seinem tiefsten Punkt angelangt sei, "kann sich nicht mehr selber retten", sagte Sachs laut Predigtmanuskript am Sonntag in der Coburger Morizkirche: "Der braucht Erste Hilfe für Leib und Seele." Auch in der Vesperkirche, die an diesem Sonntag eröffnet wird, könnten einem solche Engel begegnen: "mal mit Schürze, mal mit Zeit zum Zuhören".

Menschen fänden sich aus unterschiedlichen Gründen in "Existenzängste, Depression und Lebensmüdigkeit" getrieben, so die Regionalbischöfin. Das könne die pflegebedürftige 90-Jährige sein, der Familienvater, der seinen Job verliert, oder die verschuldete alleinerziehende Mutter. Auch der biblische Elia (1. Könige 19) laufe in seiner Verzweiflung um sein Leben, hinein in die Wüste unter den Ginsterbusch, wo er nur noch sterben wolle.

Der Engel kommt ein zweites Mal

"Den Ersthelfer, der zu Elia kommt, nennt die Bibel einen Engel. Also einen Boten Gottes", sagte Sachs. Er tue das Notwendige, berühre Elia, wecke ihn sanft und sage nur: "Steh auf und iss." Später komme der Engel ein zweites Mal, um Elia nicht sich selbst zu überlassen. Er bleibe dran und versorge nicht nur den Körper: "Die Seele braucht einen, der sich zuwendet, Mut macht, an eine Zukunft glaubt und dir diese Zukunft zutraut", so Sachs.

Die inneren Wüsten seien manchmal noch schlimmer, sagte die Regionalbischöfin - ob Einsamkeit und Stille, die Angst, anderen zur Last zu fallen, oder das Gefühl, im Leben zu kurz gekommen zu sein. Die Coburger Vesperkirche könne da eine "Oase der Engel" und "eine Tankstelle für Leib und Seele" sein. Bei dem sozialen Projekt verwandelt sich die Morizkirche für zwei Wochen im März in eine "diakonische Kantine": Jeden Mittag gibt es gratis eine warme Mahlzeit und ein buntes Begleitprogramm.