Memmingen (epd). Der evangelische Regionalbischof für Schwaben-Altbayern, Thomas Prieto Peral, hat die größer werdende Schere zwischen Arm und Reich angeprangert. "Wenn wenige Menschen immer reicher werden und so viele Menschen mit ihrer Not nicht mehr zurechtkommen, dann ist das die größte Gefahr für unsere Demokratie", sagte er beim Festgottesdienst zur Eröffnung der Memminger Vesperkirche am Sonntag laut Manuskript. Die Vesperkirche dauert bis 15. März.
Die bayerische Verfassung sei hier sehr klar, betonte der Theologe und verwies auf Artikel 123. Dort heißt es, dass die Ansammlung von Riesenvermögen in den Händen einzelner zu verhindern sei. Diesem Zwecke diene auch die Erbschaftssteuer. "Es ist daher völlig inakzeptabel, wenn Politiker diese Steuer als 'Neidsteuer' abtun", sagte Prieto Peral. "Es geht nicht um Neid. Es geht darum, dass so viele und immer mehr große Not haben.
In der Vesperkirche sind alle willkommen
"Vesperkirche - das ist warmes Licht. Der Geruch von frisch Gekochtem. Ein Mensch, der einen ansieht und sagt: Schön, dass du da bist", sagte Prieto Peral weiter. Manche Menschen kämpften mit ihrer Armut, andere seien einsam, krank, fühlten sich fremd oder seien überfordert mit dem Leben. "Viele tragen etwas, das man nicht sieht: Scham. Sorge. Angst. Schulden. Sucht. Trauer." In der Vesperkirche müsse man sich nicht schämen oder erklären. Jeder habe einen "Platz am Tisch".
Das Konzept der Vesperkirchen stammt aus Baden-Württemberg. Die deutschlandweit erste fand 1995 in Stuttgart statt, die erste in Bayern 2015 in Schweinfurt. Vesperkirchen bieten in der kalten Jahreszeit warme Mahlzeiten zu einem symbolischen Preis, oftmals auch soziale Beratung, medizinische Hilfe, Kleidung und kulturelle Angebote. Bayernweit gibt es inzwischen sieben Vesperkirchen, deutschlandweit sind es mehr als 70.