Regensburg, Catania (epd). Das deutsche Rettungsschiff "Sea-Eye 5" hat sich an zwei Rettungseinsätzen im zentralen Mittelmeer beteiligt. Insgesamt seien 72 Menschen aus seeuntüchtigen Schlauchbooten in Sicherheit gebracht worden, teilte die Regensburger Hilfsorganisation Sea-Eye am Dienstagabend mit. Mehrere Personen mussten medizinisch versorgt werden.
Nach einem Notruf des zivilen Alarm-Phone-Netzwerks habe die "Sea-Eye 5" am Sonntagnachmittag Kurs auf das Einsatzgebiet in der libyschen Such- und Rettungszone genommen. Gemeinsam mit dem Aufklärungsflugzeug "Seabird 2" der Organisation Sea-Watch lokalisierte die Crew ein überfülltes und manövrierunfähiges Schlauchboot. An Bord befanden sich 45 Menschen in akuter Seenot.
Während des Einsatzes habe sich ein Schiff der libyschen Küstenwache genähert, was bei den Menschen im Schlauchboot zu verängstigten Reaktionen geführt habe. Selbst nach einer erfolgreichen Rettung müssten zivile Seenotrettungsorganisationen damit rechnen, dass es zu Bedrohungen durch libysche Milizen komme, sagte Sea-Eye-Vorständin Anna di Bari. Humanitäre Hilfe dürfe nicht unter solchen Bedingungen stattfinden, mahnte sie.
Nach Abschluss des Rettungseinsatzes suchte das Rettungsschiff nach einem weiteren gemeldeten Seenotfall in der Nähe. Ein unbekanntes libysches Schiff habe sich dabei mehrfach mit hoher Geschwindigkeit und geringem Abstand genähert und nicht auf Funkkontaktversuche reagiert, wodurch der Suchkurs der "Sea-Eaye 5" aktiv behindert worden sei, hieß es. Weil kein weiteres Boot gefunden werden konnte, habe die "Sea-Eye 5" den zugewiesenen Hafen Catania angesteuert.
Bereits am Samstag war die "Sea-Eye 5" an einem weiteren Rettungseinsatz beteiligt gewesen. Gemeinsam mit dem Rettungsschiff Solidaire habe die Crew 27 Menschen aus einem seeuntüchtigen Schlauchboot in Sicherheit bringen können, hieß es.