Freystadt (epd). Die evangelische St. Sebastianskirche in Freystadt (Kreis Neumarkt in der Oberpfalz) wird am 7. Juni entwidmet. Sie sei erst vor etwa 40 Jahren in den Besitz der evangelischen Kirche gekommen und damit das "jüngste" von insgesamt zehn Kirchengebäuden im evangelischen "Landl", weshalb sich die Kirche von ihr trennen möchte, sagte Pfarrer Alexander Proksch am Dienstag auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd). Tags zuvor wurde der notarielle Kaufvertrag unterschrieben.

Neuer Eigentümer werde ein örtlicher Bauunternehmer, der die Kirche aus dem Jahr 1617 gekauft hat, die bis ins 20. Jahrhundert hinein katholisch war. Er möchte aus ihr ein Kulturzentrum sowie eine Stätte für freie Trauungen machen. "Das ist bitter, aber heutzutage leider die Realität", sagte Proksch weiter. Die Entwidmung der Kirche nimmt der evangelische Regionalbischof im Kirchenkreis Schwaben-Altbayern, Klaus Stiegler, vor.

Die bayerische evangelische Landeskirche will ihren Immobilienbestand bis 2035 deutlich reduzieren - um bis zu 50 Prozent, hieß es. Grund dafür seien sinkende Mitgliederzahlen und schwindende Finanzmittel der Kirche.

Nach Widerstand: Keine Trennung von Marktkirche in Sulzbürg

Das "Landl" im evangelischen Dekanat Neumarkt war das erste zusammenhängende von Protestanten besiedelte Gebiet im katholischen Altbayern. Es reicht von Mühlhausen im Osten bis Freystadt im Westen. Nach dem Abschied von der St. Sebastianskirche sollen neun historische Kirchengebäude mit acht historischen Friedhöfen erhalten bleiben. Zuletzt sollte auch die Marktkirche in Sulzbürg aufgegeben werden. Nachdem sich heftiger Widerstand in der Bevölkerung geregt habe, sei von den Plänen Abstand genommen worden, sagte Proksch. Bei der Sanierung der Fassade will nun die Kommune der Kirchengemeinde finanziell unter die Arme greifen.

Dennoch müssen sich die Evangelischen im Landl von einigem Baubestand trennen. Zur Disposition stehen laut Proksch vier Gemeindehäuser, die vom Immobilienkonzept der Landeskirche mit B und C bewertet wurden und damit als nicht erhaltenswert gelten. Zudem wird nur eines der drei Pfarrhäuser erhalten bleiben: das größte und älteste, das in Sulzkirchen steht.