Augsburg (epd). Die kirchlichen Wohlfahrtsverbände Diakonie und Caritas haben am Samstagabend mit einem "Augsburger Thesenanschlag" ein Zeichen gegen Kürzungen im Sozialbereich gesetzt. "Die Würde des Menschen ist nicht verhandelbar", sagten der Regionalbischof für Schwaben-Altbayern, Klaus Stiegler (evangelisch), und der Augsburger Bischof Bertram Meier (katholisch) laut Mitteilung. "Deshalb brauchen Armut, Teilhabe und der Schutz des Menschen unseren gemeinsamen Einsatz."

Bei den Thesen handelt es sich um fünf Leitaussagen, die ein Sozialstaat nach Überzeugung von Diakonie und Caritas erfüllen muss. Sie lauten: "Armut darf kein Ausschlusskriterium sein", "Kinder und Familien verlässlich unterstützen", "Pflege darf niemanden arm machen", "Migration ist eine Chance, kein Problem" und "Teilhabe ist ein Gewinn". Die Thesen wurden vor der evangelischen Kirche St. Anna "angeschlagen".

Pflegebedürftigkeit darf nicht arm machen

"Wir brauchen einen Sozialstaat, der sich nicht von seinem Kern verabschiedet", sagte der Direktor des Caritasverbandes für die Diözese Augsburg, Markus Müller. Wer soziale Strukturen zerstöre, spare nicht einfach Kosten, sondern nehme Menschen Chancen und gefährde den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Deshalb müsse die Allgemeine Sozialberatung als unverzichtbare erste Anlaufstelle gesetzlich abgesichert und dauerhaft öffentlich kofinanziert werden.

Der Theologische Vorstand der Diakonie Augsburg, Fritz Graßmann, sagte: "Wer in Not ist, muss auch in Zukunft in unserem Staat Hilfe bekommen." Pflege dürfe niemanden arm machen und nicht davon abhängen, ob sich Angehörige die Versorgung leisten können. "Ein leistungsfähiger Sozialstaat ist keine Belastung, sondern eine unverzichtbare Grundlage für ein gutes Zusammenleben." Diakonie und Caritas erreichen mit ihrer Arbeit in Schwaben und Oberbayern nach eigenen Angaben rund eine halbe Million Menschen.