Passau, Berlin (epd). Die unabhängige Beauftragte der Bundesregierung gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, Kerstin Claus, hat die Pläne der SPD für eine stärkere Regulierung von Social Media gelobt. "Ich begrüße den Vorschlag der SPD, Altersgrenzen für Social Media differenziert zu gestalten, ausdrücklich", sagte Claus den Zeitungen der Mediengruppe Bayern (Dienstag). Eine pauschale Verbotsdebatte verkenne die Komplexität des Problems. Im Zweifel aber müsse das Recht auf Schutz von Kindern und Jugendlichen Vorrang haben.

In einem am Wochenende bekanntgewordenen Positionspapier schlagen SPD-Politiker eine nach Alter abgestufte Regelung vor. Kindern unter 14 Jahren soll demnach die Nutzung sozialer Medien komplett untersagt werden. Für Jugendliche zwischen 14 und 16 soll es spezielle Jugendversionen der Plattformen geben, die unter anderem keine algorithmisch gesteuerten Feeds zulassen.

"Auch Gaming-Plattformen bergen erhebliche Risiken"

Als besonders wichtig bezeichnete es Claus, dass der Vorschlag die gezielte Ausrichtung sozialer Plattformen auf maximale Verweildauer und manipulative Suchtmechanismen thematisiere. "Hier werden Anbieter endlich in die Pflicht genommen: Personalisierte Feeds und Algorithmen, die Abhängigkeit fördern, sind keine technischen Notwendigkeiten, sondern bewusste Entscheidungen - mit gravierenden Folgen für Heranwachsende."

Gleichzeitig mahnte Claus, Online-Spiele unbedingt einzubeziehen. "Auch Gaming-Plattformen bergen erhebliche Risiken", betonte die Missbrauchsbeauftragte: "Über ihre Chatfunktionen entstehen Interaktionsräume, die denen sozialer Medien in nichts nachstehen - mit denselben Gefahren für Kinder und Jugendliche."

Zuständig ist die EU

Die Bundesregierung hat sich bislang nicht auf eine Position zur Social-Media-Regulierung festgelegt. Sie will zunächst die Empfehlungen der Fachkommission "Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt" abwarten, die ihre Ergebnisse im Sommer vorlegen wird.

Offen ist, inwieweit eine Positionierung der Bundesregierung überhaupt konkrete Folgen hätte. Für eine entsprechende Regulierung ist in erster Linie die EU zuständig. Diese prüft bereits ein Social-Media-Verbot für Jugendliche.