München (epd). Ökonomen aus Deutschland sehen den Beitrag von Künstlicher Intelligenz (KI) zum Wirtschaftswachstum besonders skeptisch. Dies zeige ein Vergleich weltweiter Expertenschätzungen, teilte das ifo Institut am Freitag in München mit. Laut dem "Economic Experts Survey" nehmen die Befragten in Deutschland an, dass der KI-Wachstumseffekt in fünf Jahren nur insgesamt 1,5 Prozentpunkte betragen wird. Für Europa und die USA wird er auf 2,5 Prozentpunkte geschätzt. Einen möglichen Grund für den geringeren Optimismus in Deutschland sieht ifo-Experte Oliver Falck in der Regulierung.

Deutschland sei das einzige Land, in dem fast die Hälfte der Experten für weniger Regulierung von KI plädiere, sagte Falck. Weltweit hingegen sprechen sich die meisten Befragten für eine strengere Regulierung aus: in den USA 64 Prozent, im EU-Durchschnitt 50 Prozent. In Deutschland wünschen sich nur 27 Prozent mehr, dagegen 46 Prozent weniger Regulierung.

Es brauche einen ausgewogenen regulatorischen Rahmen, damit Länder die Chancen von KI nutzen und negative Folgen abmildern, sagte ifo-Experte Niklas Potrafke: "Solche Regeln sollten jedoch Innovation nicht ausbremsen, sondern Rechtssicherheit bei Datennutzung, Datenschutz und Haftung schaffen."

Experten: KI wird vor allem mittelqualifizierte Tätigkeiten übernehmen

Für den Arbeitsmarkt erwarten die Befragten, dass KI vor allem Tätigkeiten mittlerer Qualifikationsniveaus übernehmen wird. Für Europa erwarten rund 61 Prozent einen Stellenrückgang in diesem Bereich, für die USA 68 Prozent. Hochqualifizierte Stellen werden nach Expertenmeinung zunehmen: Für Europa erwarten 53 Prozent einen Anstieg, für die USA 48 Prozent. Die Anzahl niedrigqualifizierter Jobs bleibe überwiegend stabil oder steige leicht.

Die Ergebnisse basieren auf der Untersuchung Economic Experts Survey vom vierten Quartal 2025, die vom Forschungsnetzwerk EconPol und dem ifo Institut durchgeführt wurde. An der Umfrage nahmen rund 600 Wirtschaftsexpertinnen und -experten in Europa und etwa 100 aus den USA teil.