Kempten, Konstanz (epd). Nach Erkenntnissen der Trendstudie "Jugend in Deutschland 2026" erreicht die psychische Belastung von jungen Menschen zwischen 14 bis 29 Jahren einen neuen Höchststand. Fast jeder dritte befragte Jugendliche (29 Prozent) gab an, das Gefühl zu haben, eine psychische Behandlung zu benötigen, heißt es in der Studie, die am Mittwoch online vorgestellt wurde. Im Vorjahr waren es noch knapp ein Viertel (24 Prozent). Noch höher ist der Wert bei jungen Frauen (34 Prozent), Studierenden (32 Prozent) und Erwerbslosen (42 Prozent). Insgesamt 15 Prozent waren zum Zeitpunkt der Befragung wegen psychischer Belastungen in Behandlung, 2025 waren es 13 Prozent.

Auffällig ist zudem, dass 60 Prozent der jungen Menschen eine suchtähnliche Smartphonenutzung aufweisen. "Das Smartphone ist für viele nicht nur ein Werkzeug, sondern etwas, das sie nicht mehr loslassen können", sagte Nina Kolleck, Professorin für Erziehungs- und Sozialisationstheorie an der Universität Potsdam. Außerdem lassen sich der Studie zufolge ein Drittel der Befragten bei persönlichen Problemen von einer Künstlichen Intelligenz wie ChatGPT beraten.

Ein Fünftel der jungen Menschen hat vor, auszuwandern

Die größten Sorgen der jungen Generation sind Krieg in Europa und in Nahost (62 Prozent) und Inflation (53 Prozent). Für die Hälfte ist teurer oder knapper Wohnraum Grund zur Sorge und fast die Hälfte (48 Prozent) hat Angst vor der Spaltung der Gesellschaft. Jeweils 45 Prozent betrachten mit Sorge den Klimawandel sowie Donald Trump als Präsident der USA und befürchten einen Zusammenbruch des Rentensystems.

Ein Fünftel der jungen Generation gibt an, konkrete Pläne zu haben, aus Deutschland wegzuziehen, um im Ausland bessere Lebensbedingungen zu finden. Dies bedeute nicht, dass eine Auswanderung nächste Woche passiert, aber dass man sie in Erwägung zieht, sagte Kilian Hampel, Sozialforscher an der Universität Konstanz. 41 Prozent können sich grundsätzlich vorstellen, auszuwandern.

Laut Simon Schnetzer, Leiter der Studie (Kempten), sollten die Erkenntnisse der Studie aufrütteln und klarmachen: "Wir müssen uns mehr um junge Menschen kümmern." Die Trendstudie "Jugend in Deutschland 2026" basiert auf einer repräsentativen Befragung von 2.012 jungen Menschen im Alter von 14 bis 29 Jahren, die im Zeitraum vom 9. Januar 2026 bis 9. Februar 2026 durchgeführt wurde.