Bamberg (epd). Eine neue Studie zeigt erstmals, dass die soziale Herkunft die Bildungsungleichheit in Deutschland von der Kita bis zum Schulabschluss prägt. Die Ergebnisse der Analyse zeigten, dass soziale Bildungsungleichheiten sehr früh einsetzen und lange stabil bleiben, heißt es in einer Mitteilung des Leibniz-Instituts für Bildungsverläufe (LIfBi) in Bamberg. Die Studie erstelle keine Momentaufnahme, sondern analysiere, wie sich früh entstehende Ungleichheiten langfristig entwickeln.

Die Forschenden unterscheiden den Angaben nach zwischen den Einflüssen von Armut, Bildungsniveau und beruflichem Status der Eltern und messen deren Einfluss auf Kompetenzniveaus, Bildungsentscheidungen und Leistungsbeurteilungen. Sie blickten jedoch nicht allein auf eine Dimension sozialer Herkunft, sondern auf kulturelle, soziale und finanzielle Ressourcen. "So kann genauer als in bisherigen Studien untersucht werden, an welchen Stellen soziale Ungleichheiten entstehen, wo sie sich fortsetzen, verstärken oder verringern", hieß es.

Unterschiede vergrößern sich bis zum Schulbeginn

Schon im Kleinkindalter unterscheiden sich laut der Studie Wortschatz sowie frühe mathematische und naturwissenschaftliche Fähigkeiten systematisch nach der sozialen Herkunft und vergrößern sich bis zum Schuleintritt. Diese Ungleichheiten, meist ausgelöst durch unterschiedliche Nutzung frühkindlicher Bildungs- und Betreuungsangebote, setzten sich im weiteren Bildungsverlauf fort, etwa beim Lesen sowie bei computerbezogenen und digitalen Kompetenzen.

Fazit der Forschenden: Insgesamt bleiben die Unterschiede über die Schulzeit hinweg weitgehend stabil. "So gehören am Ende der Grundschule nur 12 Prozent der Kinder aus unteren sozialen Schichten zu den leistungsstärksten Schüler in Mathematik, aber 40 Prozent der Kinder aus hohen sozialen Schichten", hieß es.

Auch bei gleichen Kompetenzen deutliche Herkunftseffekte

Besonders deutlich würden soziale Ungleichheiten bei schulischen Bewertungen und Übergangsentscheidungen beim Schulwechsel. Hier bleibe der Vorsprung von Kindern aus Familien mit hohen finanziellen Ressourcen und hohem Berufs- und Bildungsstatus bestehen. So erhalten laut der Untersuchung privilegierte Kinder bei vergleichbaren Kompetenzen häufiger bessere Noten als Kinder aus Familien mit sozial niedrigem Status. Ähnliche Bewertungsunterschiede durch Lehrkräfte lassen sich auch bei den Übertrittsempfehlungen feststellen.

Kinder von Eltern mit niedrigem beruflichem Status und niedrigem Bildungsniveau werden auch bei gleichen Kompetenzen und gleichen Noten seltener für das Gymnasium empfohlen als Kinder aus Familien mit hohen Niveaus. Und: "Unabhängig von der Empfehlung melden Familien mit hohem Sozialstatus ihre Kinder zudem häufiger am Gymnasium an." Am Ende der Schulzeit habe nur etwa ein Drittel der Jugendlichen aus niedrigen sozialen Schichten eine Studienberechtigung erzielt, gegenüber mehr als drei Vierteln aus hohen sozialen Schichten.