Erlangen, Hannover (epd). Pflege ist nicht immer eine Aufgabe der Familie. Auch Freunde, Nachbarinnen, Bekannte oder Kolleginnen kümmern sich um schwer und unheilbar erkrankte Menschen – und geraten dabei nicht selten an ihre eigenen Grenzen. Eine am Mittwoch veröffentlichte Studie des Universitätsklinikums Erlangen und der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) zeigt erstmals, was diese sogenannte Zugehörigenpflege für die Helfenden bedeutet. Erstmals seien dafür nicht verwandte Fürsorgende befragt worden.
In Deutschland leben der Studie zufolge mehr als fünf Millionen pflegebedürftige Menschen. Die meisten würden zu Hause versorgt, jeder Zehnte ausschließlich von einer nicht verwandten Person. "Zugehörige spielen also eine große Rolle bei der Fürsorge", sagte Studienleiterin Franziska Herbst vom MHH-Institut für Allgemeinmedizin und Palliativmedizin. Ihr zufolge sind die Zugehörigen überwiegend weiblich und im Schnitt 57 Jahre alt. Meist handle es sich um Freundinnen oder Freunde, auch Nachbarinnen oder Nachbarn. In seltenen Fällen übernehmen Bekannte oder etwa Kolleginnen die Pflege.
Emotionale Bindung als Antrieb
Im Schnitt investierten die Zugehörigen rund zehn Stunden pro Woche, vorrangig für emotionale Unterstützung (97,6 Prozent). Auch seien sie bei der Nutzung von Medien, im Haushalt, bei der Medikamenteneinnahme und bei bürokratischen Angelegenheiten behilflich. Die meisten Zugehörigen pflegen der Studie zufolge hauptsächlich deshalb, weil sie eine emotionale Bindung zu der erkrankten Person haben. Das gaben 85,4 Prozent an. Vielen gebe auch "das Kümmern ein gutes Gefühl". Zudem handelten sie oft aus einem Gefühl der moralischen Verpflichtung heraus.
Laut der Untersuchung sehen 46,3 Prozent der Befragten vor allem Kraftaufwand und körperliche Erschöpfung als eine Belastung an. Der Hin- und Hergerissenheit zwischen Alltagsanforderungen und Pflege stehe jedoch auch Positives gegenüber: 64,6 Prozent berichteten demnach von einer verbesserten Beziehung zur erkrankten Person und 56,1 Prozent von einer intensiveren Auseinandersetzung mit eigenen Werten.