München, Berlin (epd). Der Schriftstellerverband PEN Berlin protestiert gegen Kürzungen bei den Kultursendungen des Bayerischen Rundfunks (BR). Wöchentlich würden sieben Stunden Sendezeit gestrichen, kritisiert der Verband in einer am Sonntag verbreiteten Mitteilung und beruft sich auf einen Bericht der Münchner Abendzeitung. Der BR weist die Vorwürfe zurück.
Betroffen sind laut PEN Berlin die Formate "kulturWelt", "Diwan: Das Büchermagazin", "Kulturjournal: Kritik Dialog Essay", "Nachtstudio", "radioTexte - die Lesungen" sowie die Eigenproduktionen von Hörspielen. Die Streichung beschädige die "ohnehin oft prekäre Lebensgrundlage unserer Mitglieder", schreibt PEN Berlin. Der öffentlich-rechtliche Sender habe einen verfassungsmäßigen Bildungsauftrag. "Wer Kulturangebote drastisch kürzt, erschwert damit auch den Zugang zu Fakten und zur Vielfalt der Argumente und trägt dazu bei, dass die Meinungsbildung in Deutschland noch mehr durch Einseitigkeit, 'gefühlte Wahrheiten' und dreiste Lügen geprägt wird", heißt es in der Mitteilung.
Der BR hält die Vorwürfe für falsch. Es gehe beim geplanten Umbau von Kultursendungen nicht um Kürzungen, sagte ein Sprecher dem Evangelischen Pressedienst (epd). Derzeit befinde man sich in einer Transformation ins Digitale, was eine Reform des Programmschemas zur Folge habe. So wolle man noch stärker Beiträge zuerst für die Mediatheken produzieren. "Es werden aber weiterhin Ressourcen in die Kultur im Umfang wie jetzt fließen", betonte er. Es gehe in dem Prozess um die Zukunftssicherung von Bayern 2 - linear wie digital.
Der Sprecher schloss nicht aus, dass einzelne Sendungen einen anderen Namen bekommen. Inhalte sollen aber nicht entfallen: "Alle Stärken von Bayern 2 bleiben selbstverständlich erhalten - Hörspiele, Lesungen und Rezensionen genauso wie Debattenbeiträge oder Essays." Die zuständigen Sendergremien müssten die Reformpläne beraten, sie sollen dann im zweiten Quartal 2024 umgesetzt werden.
PEN Berlin wurde im Juni 2022 gegründet. Zu den Initiatoren gehört der Autor Deniz Yücel, der einen Monat zuvor nach internen Querelen vom Amt des Präsidenten des PEN Deutschland zurück- und dann ausgetreten war.