Hof, Kulmbach (epd). Ein Heilerziehungspfleger aus Oberfranken soll während seiner Arbeitszeit Nackt-Fotos von Kindern mit Behinderung gemacht haben. Gegen den 33-Jährigen sei Haftbefehl erlassen worden, er sitze in Untersuchungshaft, teilten die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg und das Polizeipräsidium Oberfranken am Donnerstag gemeinsam mit. Auf den sichergestellten Aufnahmen seien Gesäß und Geschlechtsteile zu sehen, teilweise seien die Kinder nackt gewesen. Bei den Betroffenen soll es sich um Kinder und Jugendliche handeln, die von dem Beschuldigten betreut wurden.
Dem 33-Jährigen auf die Spur gekommen ist das National Center for Missing & Exploited Children in den USA, das zahlreiche Videos mit kinderpornografischen Inhalten in einer Internet-Cloud entdeckte. Nach Durchsuchungen in den Landkreisen Kulmbach und Hof, wo sich die Wohnung des Beschuldigten und die Tagesstätte befinden, habe sich der Verdacht gegen den Heilerziehungspfleger erhärtet, teilte die Generalstaatsanwaltschaft weiter mit. Gefunden worden sei "eine Vielzahl von elektronischen Speichermedien" mit kinderpornografischen Inhalten.
Zahl der Opfer noch nicht bekannt
Über die Zahl der Opfer könne man derzeit keine Auskunft geben, man stehe am Anfang der Ermittlungen, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Goger dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Aufnahmen seien 2025 und 2026 entstanden. Der Heilerziehungspfleger soll die Hilfsbedürftigkeit der von ihm betreuten Personen ausgenutzt haben. Vereinzelt soll er die Kinder und Jugendlichen entkleidet und mit seinen Fingern den Intimbereich berührt haben, um diesen filmen oder fotografieren zu können. Die Zentralstelle Cybercrime Bayern und die Kriminalpolizeiinspektion Bayreuth ermitteln weiter.
Die Lebenshilfe Hof bestätigte in einer Pressemitteilung vom Donnerstag, dass gegen einen ehemaligen Mitarbeiter der Heilpädagogischen Tagesstätte des Therapeutisch-Pädagogischen Zentrums in Hof Ermittlungen geführt werden. "Die Vorwürfe erschüttern uns sehr", sagte der Geschäftsführer der Lebenshilfe Hof, Claus Fiedler. Man arbeite konsequent mit den Ermittlungsbehörden zusammen: "Für uns gilt uneingeschränkt: Alles, was zur Aufklärung beitragen kann, wird von uns unterstützt. Der Schutz und die Sicherheit der uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen haben oberste Priorität."
Lebenshilfe Hof ist einer der größten Träger der Behindertenhilfe
Die Lebenshilfe Hof stehe zudem im Austausch mit Eltern und Personensorgeberechtigten der betreuten Kinder und Jugendlichen. "Uns ist wichtig, transparent mit der Situation umzugehen und gleichzeitig die laufenden Ermittlungen zu respektieren", sagte Fiedler. "Sobald gesicherte Informationen vorliegen und dies im Rahmen der laufenden Ermittlungen möglich ist, werden wir die Öffentlichkeit entsprechend informieren." Die Lebenshilfe Hof ist laut eigenen Angaben einer der größten Träger der Behindertenhilfe in Stadt und Landkreis Hof. Etwa 600 Mitarbeitende begleiten rund 1.200 Familien mit Kindern und Jugendlichen mit einer Behinderung.