München, Tutzing (epd). Nach Ansicht von Irme Stetter-Karp ist der Stellenwert der Kirchen in Deutschland von großer Bedeutung, wenn es um den "Kitt in dieser Gesellschaft" geht. Bei einer Kanzelrede in der Münchner Erlöserkirche sagte die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) am Sonntag, dass Kirchenmitglieder anderen Menschen und gesellschaftlichen Institutionen deutlich mehr Vertrauen schenkten als Konfessionslose. Kirchlich Engagierte hätten zudem ein besonders ausgeprägtes Vertrauen in demokratische Institutionen. "Wer also fragt, wer unsere Demokratie trägt, sollte auch auf die Kirchen schauen", so Stetter-Karp.
Laut der 6. Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung, so Stetter-Karp, sei fast die Hälfte der katholischen und evangelischen Kirchenmitglieder in Deutschland ehrenamtlich aktiv, auch außerhalb der Kirche. Das mache Hoffnung vor dem Hintergrund der tiefgreifenden politischen und sozialen Herausforderungen der Zeit, in denen die katholische Kirche zugleich mit Glaubwürdigkeitsverlust und Austrittswellen zu kämpfen hat. In solchen Umbruchzeiten sei es hilfreich, sagte Stetter-Karp, einen Kompass bei sich zu haben und gemeinsam um Werte zu ringen: Ja zu sagen zu Menschenrechten, Chancengleichheit, Demokratie und Dialog.
Kanzelrede bittet seit 1997 Prominente ans Redepult
Die promovierte Sozialwissenschaftlerin, Sozialpädagogin und Medizinethikerin Stetter-Karp ist seit 2021 Präsidentin des ZdK, dem von der Bischofskonferenz anerkannten Organ zur Koordinierung des Laienengagements in der katholischen Kirche. Sie ist außerdem Co-Präsidentin des katholischen Reformdialogs Synodaler Weg.
Die Kanzelrede ist ein Format, zu dem die Evangelische Akademie Tutzing in Kooperation mit dem Freundeskreis der Akademie seit 1997 bekannte Personen als Rednerinnen und Redner einlädt. Zu ihnen zählten etwa der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck, Theaterregisseur Christian Stückl oder die VdK-Präsidentin Verena Bentele. Zweimal im Jahr findet die Kanzelrede in der Schwabinger Erlöserkirche statt.