Mein Großer ist 17. Und ja, ich ertappe mich manchmal dabei, wie ich denke: "So war ich in dem Alter nicht." Und genau so wollte ich nie werden.
Er überlegt sich ziemlich genau, wann, wo und wie lange er arbeitet. Zu viel? Auf keinen Fall. Freizeit? Unverhandelbar. Und wenn er mal zwei Stunden jobbt, dann bitte mit anständiger Bezahlung.
Ich kann’s ihm nicht mal verübeln.
Ehrlich gesagt, verstehe ich jeden, der sagt: "Ich will nicht mein ganzes Leben lang schuften." Auch ich will das nicht. Ich liebe es, Zeit mit meiner Familie zu haben, rauszugehen, zu lesen, Musik zu hören. Ich will auch nicht 70 Stunden die Woche im Büro sitzen. Aber – und das ist der Unterschied – ich arbeite trotzdem gern.
Was die Generation Z manchmal vergisst
Ich liebe meinen Job. Ich brenne für das, was ich tue. Meine Chefin schimpft schon regelmäßig, weil ich wieder zu viele Überstunden habe. Aber für mich fühlt sich das nicht wie Last an, sondern wie Leben. Arbeit kann nerven, klar – aber sie kann auch erfüllen. Und das scheint die Generation Z manchmal zu vergessen.
Diese ewige Frage, ob die Gen Z "faul oder schlau" ist, ist für mich deshalb nicht schwarzweiß. Mein Eindruck: Viele sind beides ein bisschen.
Sie sind schlau genug, nicht mehr alles mit sich machen zu lassen. Sie hinterfragen Strukturen, die früher als selbstverständlich galten. Sie sehen, dass die Generation ihrer Eltern oft im Hamsterrad läuft, gestresst, ausgelaugt, manchmal krank vor lauter Leistungsdruck. Das ist klug.
Aber gleichzeitig sind manche eben auch bequem geworden. Und manchmal wirken sie, als hätten sie das Prinzip "Arbeiten, um zu leben" ein bisschen zu wörtlich genommen.
Wer wenig arbeitet, verdient meist wenig
Ich höre oft Sätze wie: "Ich will gut verdienen, aber nicht so viel arbeiten." Ganz ehrlich? Klingt nett, funktioniert aber nur selten. Wer weniger arbeitet, wird auch weniger verdienen. Das ist kein böser Trick der Wirtschaft, sondern schlicht Realität.
Wenn man sich also entscheidet, weniger zu machen, ist das völlig legitim – aber dann sollte man auch bereit sein, die eigenen Ansprüche runterzuschrauben. Kein SUV, keine teuren Sneaker, kein dreimal Urlaub im Jahr.
Man kann nicht alles haben: Freizeit, Luxus, Sicherheit und Sinn. Irgendwo muss man sich entscheiden.
Ich beobachte bei meinem Großen und seinen Freunden, dass sie Arbeit oft als etwas sehen, das "stört". Sie wollen sich "selbst verwirklichen", "ihren Weg gehen", "etwas mit Sinn tun". Klingt alles super – aber das kann nicht jeder gleichzeitig.
Unsere Gesellschaft braucht auch Leute, die einfach mal machen. Die nicht jedes Mal fragen, ob die Aufgabe sie erfüllt, sondern die sehen, dass Arbeit auch Dienst ist – für andere. Pflegekräfte, Handwerkerinnen, Verkäufer, Busfahrer – ohne die läuft hier gar nichts. Und trotzdem werden diese Berufe von vielen aus der jungen Generation kaum wahrgenommen. Oder schlimmer: belächelt.
Ich finde das schade. Denn wer Dienstleistung als "dumm" oder "unter seiner Würde" bezeichnet, hat das Prinzip Gemeinschaft nicht verstanden.
Nicht jeder Job muss Spaß machen. Nicht jeder Tag muss Sinn haben. Manchmal reicht es, ihn einfach gut zu machen.
Die Jugend von heute
Ich will hier gar nicht den alten Mann spielen, der über "die Jugend von heute" schimpft. Ich sehe auch viele junge Leute, die unfassbar engagiert sind, die freiwillig helfen, sich politisch einmischen, kreativ sind, neue Wege suchen. Diese Generation ist nicht verloren. Sie ist nur anders. Aber sie ist auch manchmal realitätsfern.
Weil sie gelernt hat, dass Selbstfürsorge das Wichtigste ist – und Arbeit fast schon als Gesundheitsrisiko gilt. Dabei kann Arbeit auch etwas Gesundes sein: strukturierend, sinnstiftend, gemeinschaftlich.
Und vielleicht ist genau das der Punkt, an dem wir uns wieder annähern müssen: Arbeit ist nicht alles – aber sie ist auch nicht das Böse. Ich will niemanden zwingen, 40 Stunden zu schuften. Aber ich will, dass man wieder versteht: Wer etwas erreichen will, muss auch bereit sein, etwas zu investieren.
Ich sehe jetzt schon das Augenrollen, wenn ich das sage. Vielleicht ist die Gen Z gar nicht faul. Vielleicht ist sie einfach überfordert mit den unendlichen Möglichkeiten. Wenn man überall hören kann, dass "alles möglich" ist, ist Stillstand das Schlimmste.
Ich würde mir wünsche, dass wir aufhören, die Jugend ständig zu bewerten – und stattdessen miteinander reden. Ich bin sicher: Wenn mein Großer mal älter ist, wird er das verstehen. Vielleicht arbeitet er dann sogar zu viel – und seine Chefin schimpft mit ihm, weil er wieder Überstunden gemacht hat….vielleicht…