Eine Auseinandersetzung mit dem frühen Antijudaismus des Koran hat der Freiburger Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi von Muslimen gefordert. Es sei ein Mythos, dass Juden und Muslime immer friedlich zusammengelebt hätten und der Prophet Muhammed ein "barmherziger Heiliger der Nächstenliebe" gewesen sei, sagte der gebürtige Algerier in einem Pressegespräch im Presseclub München am Mittwoch. "Den Juden ging es nicht gut unter den Muslimen", betonte Ourghi und verwies auf Pogrome, Vertreibung und Schikanen gegen die religiöse Minderheit zur Zeit Muhammeds, die im Koran beschrieben seien. "Es steht alles in den Quellen - aber man redet nicht darüber", kritisierte der Wissenschaftler. Seine Forschungsergebnisse hat Ourghi jüngst in dem Buch "Juden im Koran. Ein Zerrbild mit fatalen Folgen" (Claudius-Verlag München) veröffentlicht.

Ourghis Gesprächspartner, der jüdisch-deutsche Historiker und Publizist Michael Wolffsohn, forderte eine neue öffentliche Debatte auf Grundlage von Ourghis Buch. Muslimische Vereine, Einrichtungen politischer Bildung und Parlamentsfraktionen müssten sich gleichermaßen mit der Studie beschäftigen, um die "Legende" vom barmherzigen Islam zu entkräften. Bislang würden Diskussionen zum muslimisch-jüdischen Verhältnis in Deutschland "ahnungslos geführt". Die islamische Judenfeindschaft reiche viel weiter zurück als zur Staatsgründung Israels 1948 oder zum Beginn der zionistischen Bewegung Ende des 19. Jahrhunderts.

Letztlich sei diese Erkenntnis keine Überraschung: Neue Religionen etablierten sich stets durch Abgrenzung zum Alten, sagte Wolffsohn. "Wenn dabei der Versuch der Kooperation scheitert, kommt es meistens zu Eskalation, Polemik und auch Gewalt", erklärte der Historiker. Verfolgung von Minderheiten habe es im Christentum, im Islam und in der nicht-christlichen Welt immer gegeben. Der inhumane Einsatz von Macht sei also "nicht nur ein Defizit des Islam, sondern ein Menschheitsdefizit", betonte der Historiker. Ourghis Buch sei keine Hetzschrift, sondern "eine sachliche, fundierte Analyse des Koran als Quelle islamischen Antijudaismus", die im internationalen Vergleich "ein Alleinstellungsmerkmal" habe. Dennoch gehe er davon aus, dass die meisten Islamwissenschaftler das Buch "beschweigen" würden.

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