Wir.Reden.Hier. - Mit diesen drei Begriffen umreißen Kirche und Diakonie ihre Initiative #VerständigungsOrte. Mit der Aktion, die bundesweit Gemeinden und Organisationen dazu bringen will, wieder mehr ins Gespräch zu kommen, soll ein besseres Verständnis der Menschen untereinander gefördert werden. Die Initiative versteht sich als eine Einladung an Alle.

Doch wie kann ich als Einzelperson einen solchen Verständigungsort begründen? Wir geben Euch ein paar Tipps.

Welche Formate für die Verständigungsorte gibt es?

Es gibt viele Wege, wie Ihr einen Verständigungsort gestalten und organisieren könnt. Hier kommen ein paar Ideen für ein Format, mit dem Ihr ein Projekt vor Ort beginnen könnt: 

  • Runder Tisch zu einem Problem: Ihr ladet ein oder zwei ExpertInnen ein, die einen Impulsvortrag zu einem aktuellen Problem oder Streitthema halten. Anschließend wird in der Runde diskutiert.
  • Demokratietag: Ihr organisiert einen Tag für Eure Organisation oder zusammen mit lokalen Partnern. An diesem Tag werden Projekte vorgestellt, es gibt Podiumsdiskussionen oder Mitmachaktionen. 
  • Ausstellungen: Ihr bucht eine Ausstellung zu einem aktuellen Thema und organisiert ein Rahmenprogramm mit Vortrag, Musik oder Mitmach-Ausstellung. Hier findet Ihr über 20 Leih-Ausstellungen zur Auswahl!
  • Verständigungscafé: Bei einem gemeinsamen Mittag- oder Abendessen wird über ein Thema diskutiert. Vielleicht gibt es einen Impulsvortrag. Nach einer halben Stunde werden alle Teilnehmenden aufgefordert, den Platz zu wechseln. So kommen verschiedene Menschen miteinander ins Gespräch.
  • Kino-Abend: Ihr organisiert einen Kino-Abend mit einem Dokumentar- oder Spielfilm. Anschließend kann über den Film diskutiert werden. Vielleicht könnt Ihr sogar die Regisseure oder Produzenten oder einen Schauspieler einladen?
  • Spaziergang: Bei einem gemeinsamen Spaziergang gibt es einen kurzen Impuls  - oder ihr verteilt Zettel mit dem Thema und 5-10 Fragen, über die sich die Teilnehmer*innen unterhalten können. Nach einer Weile tauscht ihr die Gesprächspartner. 

Veranstaltungsort finden bzw. suchen

Ihr findet ein Format interessant und wollt es umsetzen? Dann sucht Euch eine Partnerorganisation oder zumindest ein Team von Gleichgesinnten, mit denen Ihr das Projekt startet. Verbündet Euch mit der Kommune, mit einem Verein, Schulen, Hochschulen, Bürgerinitiativen, Unternehmen, andere Religionsgemeinschaften.

Besonders hilfreich ist es, nicht nur eine Veranstaltung zu planen, sondern in einer Serie zu denken. Denn der Aufwand, den ihr für die Organisation eines Events habt, kann dann leicht übertragen werden auf den nächsten Termin. Außerdem braucht es meistens eine ganze Weile, bis sich ein Event herumspricht. 

Als Veranstaltungsorte bieten sich an

  • Gemeindehäuser oder Kirchen
  • Bildungseinrichtungen wie Bibliotheken, Buchhandlungen
  • Cafés und Restaurants oder Biergärten
  • Verbände
  • Kommunale Einrichtungen

Oft geht es darum, eine geeignete Termin-Lücke zu finden - also die Räume zu nutzen, wenn sie nicht benötigt werden. Dann könnt Ihr die Räume oft kostenfrei nutzen oder nur gegen einen kleinen Obolus für die Reinigung. 

Veranstaltung planen

Eine langfristige Organisation des Events wird Euch Entspannung bringen. Mit einem vernünftigen Monatsplan könnt Ihr die Aufgaben gut aufteilen und in kleine Häppchen aufsplitten - dann hat jeder im Team nur einen Teil der Arbeit zu übernehmen.

Sorgt vor allem langfristig für Werbung. Überlegt Euch, wer die Zielgruppe ist, also wer Euer Event besuchen soll. Wenn ihr ein eher junges Publikum ansprechen möchtet, dann bietet sich zum Beispiel eher Instagram an. Versucht frühzeitig, der Veranstaltungsreihe einen griffigen Namen zu geben.

Sorgt für ein ansprechendes Layout, das sich auf allen Medien spiegelt. Flyer, Plakat, Pressemitteilung, Postings sollten alle wiedererkennbar sein. Versucht, alle Partner mit einzubinden für die analoge und digitale Werbung. 

Informiert die Presse, Fernsehen, Lokalradio - sie sind auf der Suche nach guten Geschichten und kommen meist gerne zu einem neuen Programm. Bindet auch die Expert*innen ein und die Gäste - sie bringen oft ihre eigenen Fans mit.

Die Veranstaltung

Für jede Veranstaltung solltet Ihr die Spielregeln klären. Beginnt den Abend mit einer kurzen Einführung, bei der auch die wichtigsten Akteure vorgestellt werden. Sorgt bei der Begrüßung auch dafür, die Regeln für die Kommunikation zu klären. Klärt vorab Euren eigenen Standpunkt zum Thema: Wo sind rote Linien, die nicht überschritten werden dürfen? Wann greifen wir in ein Gespräch ein? Wer kann das Gespräch moderieren? Wer sekundiert aus dem Publikum?

Dazu gehört etwa, Menschen ausreden zu lassen, aber auch, maximal drei Minuten zu sprechen. Nur wenn Ihr die Spielregeln deutlich kommuniziert habt, könnt Ihr Euch dann auch darauf berufen - und zum Beispiel einen Störenfried unterbrechen. Sorgt dafür, dass der Ort ein "Safer Space" für die Kommunikation ist. 

Bei einer großen Gruppe können auf der Bühne Fakten vermittelt werden und Expert*innen zu Wort kommen. Aber für den Dialog bieten sich eher Kleingruppen mit rund 10-12 Personen an. Sie fördern den persönlichen Austausch und bieten auch die Gelegenheit, sich zuzuhören und alle zu Wort kommen zu lassen. 

Sorgt mit interaktiven Elementen für Lebendigkeit. Verteilt Postits oder Zettel und ruft hier die Meinung ab; dann kann in der Gruppe darüber gesprochen werden. Ermutigt am Ende einer Veranstaltung alle Teilnehmenden, Visionen und positive Ergebnisse festzuhalten. Vielleicht könnt Ihr ein Folgeprojekt planen, bei dem an den Ergebnissen gearbeitet wird?

Verständigungort auf der interaktiven Landkarte eintragen

Ihr habt einen Ort geschaffen, an dem immer mal wieder ein Gespräch stattfindet und sich die Menschen austauschen können? Dann tragt ihn ein in die interaktive Landkarte. Über das Format werden der Projektnahme, die Zielgruppe, der zeitliche Umfang und die Projektbeschreibung abgefragt. Natürlich werden auch Organisation, Anschrift und Ansprechperson benötigt sowie wenn möglich Links zu den Socialmedia-Kanälen. Sobald Ihr Eure Aktion eingetragen hat, wird sie redaktionell geprüft und dann auf der Landkarte verzeichnet. 

Also: Einfach mitmachen und starten. 

Material und Anleitungen zum Download

Material zur Vorbeitung eines VerständigungsOrtes hat die Initiative MIDI zusammengestellt: Von einem Schritt-für-Schritt-Leitfaden über Social-Media-Vorlagen bis hin zu Coachings mit Expert:innen finden Interessierte alles, was sie zur Umsetzung eines eigenen VerständigungsOrts benötigen. Ziel ist es, Orte zu schaffen, an denen Menschen mit unterschiedlichen Meinungen ins Gespräch kommen – sei es zu Themen wie Demokratie, Migration, Klima oder Verschwörungserzählungen

Besonders hilfreich: Die Initiative stellt nicht nur Materialien wie Canva-Vorlagen, Postkarten und Banner zur Verfügung, sondern auch Impulse und Methoden für die Gesprächsführung sowie geistliche und theologische Anregungen. Ergänzt wird das Angebot durch Online-Seminare, Praxisbeispiele und eine interaktive Karte, auf der bestehende VerständigungsOrte deutschlandweit sichtbar sind.

Hier geht es zu den Materialien für Veranstaltende