Verschenken statt Containern lautet das Motto von Lebensmittel-Einzelhändler Guido Gartmann. Seit zwei Jahren stehen vor oder in seinen 14 Supermärkten im südlichen Landkreis Osnabrück "Goldene Tonnen": In den seitlich aufgeschnittenen Müllcontainern liegen abgelaufene, aber noch genießbare Lebensmittel ordentlich in Kisten, Regalen und sogar einem eingebauten Kühlschrank.

Brot, Wurst, Quark oder Obst - alles direkt hinter der Kasse oder draußen am Ausgang und einfach so zum Mitnehmen, kostenlos:

"Wir bemühen uns schon immer, möglichst nichts wegzuwerfen. Deshalb haben wir auch kein Problem mit dem Containern", sagt Gartmann.

Die Idee zu den Hingucker-Tonnen hatte seine Tochter. Sophie Gartmann (23) studiert in München und containert selbst, sucht also noch genießbare Lebensmittel aus den Mülltonnen der Supermärkte, wie der Vater erzählt. Das ist zwar bislang offiziell verboten, doch vor allem junge Menschen versuchen auf diese Weise, Lebensmittel zu retten.

Containern

Die Bundesminister Cem Özdemir (Agrar, Grüne) und Marco Buschmann (Justiz, FDP) wollen solche Aktionen allerdings künftig erlauben - solange nicht Sachbeschädigung oder Hausfriedensbruch im Spiel sind.

Germanistik-Studentin Sophie hat für die Aktion ihres Vaters auch gleich ein Plakat entworfen mit der Aufschrift: "In Deutschland werden pro Jahr 12 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Wir machen da nicht mit!" Gut sichtbar prangt es auf der Goldenen Tonne im Supermarkt in Georgsmarienhütte-Oesede. Der Erfolg gibt den Gartmanns recht.

"Die Waren sind ruckzuck weg, die Tonnen fast immer leer", sagt der Unternehmer.

Silva Ceponiene freut sich, wenn sie etwas aus der "Goldenen Tonne" mitnehmen kann. "Ich verdiene nicht so viel. Deshalb ist das ein gutes Angebot", sagt die 57-Jährige, senkt die Augenlider und lächelt. Sie war gerade in Gartmanns Markt in Oesede einkaufen und inspiziert nun die Waren in der Tonne. Eine Packung Aufback-Baguettes und eine Salami-Wurst wandern in ihren Einkaufstrolley.

"Goldene Tonne" als Alternative zum Containern

Auch Monika Thiele nimmt sich gelegentlich etwas aus der Tonne. "Bei den Preisen kann man sich schon mal bedienen", sagt sie. Dass Gartmann abgelaufene Lebensmittel verschenkt, findet die 56-Jährige super.

"Ist doch besser, als sie wegzuschmeißen."

Auszubildende Laetitia Mushimiyimana (19) sitzt an der Kasse und pflichtet ihr bei. Die Tonne werde sehr gut angenommen. Und, ja, auch sie nehme sich manchmal etwas daraus mit nach Hause. Lebensmittel wegzuwerfen sei in seiner Familie schon immer verpönt gewesen, sagt Guido Gartmann. "Meine Oma hat früher altes Brot zu Brotsuppe verarbeitet."

Verschenken statt Wegwerfen

Verschenkt hat er abgelaufene Lebensmittel in seinen Märkten schon immer - nur eben nicht so prominent platziert, sondern einfach aus einer Kiste heraus. Zudem stehen in jedem Laden "Verschwende-nix-Boxen", in denen Ware kurz vor dem Verfallsdatum zum halben Preis angeboten werde. Auch eine "Hasen-Kiste" für Grünzeug, das sich noch als Futter für Haustiere eignet, gibt es.

Die "Verschwendenix - Box"
Eine "Verschwendenix - Box", in der abgelaufene Lebensmittel kostenfrei zur Verfügung gestellt werden.

Außerdem verschenke er nicht mehr zu verkaufende Lebensmittel an das Benediktinerinnen-Kloster in Osnabrück, das eine Ausgabestelle für Bedürftige betreibt. Der in erreichbarer Nähe gelegene Osnabrücker Zoo nehme gerne unansehnliches Obst und Gemüse. Die Tafel bekomme nennenswerte Übermengen und dürfe zu einem festen Sonderrabatt das ganze Jahr über in seinen Läden einkaufen. "Ich würde sagen, bis auf Frischfleisch und Fisch können wir wirklich alles retten."

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