Die Frage, ob Geld glücklich macht, ist wahrscheinlich so alt wie das Geld selbst. Sprichwörter wie „Geld allein macht nicht glücklich!“ oder „Froh zu sein bedarf es wenig“ vermitteln: Es kommt nicht nur auf materiellen Reichtum an.
100.000 € als Basis für ein glückliches Leben?
Wer ein geringes Einkommen bezieht, kann bei höherem Lohn auch mit einem Zuwachs von Glück rechnen. Verdoppelt sich das Jahreseinkommen in Deutschland beispielsweise von 15.000 € auf 30.000 €, dann kann ein proportionaler Anstieg von Glück gemessen werden. Doch dieser Anstieg erreicht bei etwa 100.000 € ein Plateau, Ökonomen sprechen hier von einem abnehmenden Grenznutzen. Ab 100.000 € Jahreseinkommen macht es also keinen großen Unterschied mehr, ob eine Person noch 1.000 € mehr verdient oder nicht.
Armut als Risiko für die physische und psychische Gesundheit
Klar nachweisbar ist: Menschen, die als arm oder armutsgefährdet eingestuft werden, haben ein höheres Krankheitsrisiko als wohlsituierte Menschen.
Körperliche Gesundheitsrisiken werden unter anderem auf geringere finanzielle Mittel für gesundheitsförderliche Ressourcen zurückgeführt. Menschen, denen weniger Geld zur Verfügung steht, können sich beispielsweise keine gesunden Lebensmittel oder eine Mitgliedschaft in einem Sportverein leisten. Zudem müssen diverse Vorsorgeangebote, wie zum Beispiel Bluttests, oft selbst bezahlt werden.
Einen direkten Einfluss auf die psychische Gesundheit armer Menschen haben auch Faktoren wie dauerhafter Stress, Angst vor Job- oder Wohnungsverlust, sowie eine soziale Benachteiligung durch geringe Teilhabe. Arme Menschen leiden daher häufiger an psychischen Erkrankungen, wie zum Beispiel Depressionen.
Ein weiterer Faktor: Menschen mit geringen finanziellen Mitteln haben oft auch einen niedrigeren Bildungsstand. Um die eigene physische und psychische Gesundheit in den Blick zu nehmen braucht es allerdings ein gewisses Bildungsniveau. So werden beispielsweise auch Vorsorgeangebote der Krankenkassen von Menschen aus bildungsfernen Milieus oft nicht genutzt.
Armut und Reichtum als relative Größen
Wem mehr Geld zur Verfügung steht, der steht unter weniger Druck in Bezug auf die eigene Grundversorgung und hat ein geringeres Risiko körperlich oder psychisch zu erkranken. Trotzdem ist ein hohes Einkommen kein Garant für ein glückliches Leben.
Denn das eigene Vermögen und Einkommen wird immer relativ im Verhältnis zu dem von anderen Menschen wahrgenommen.
Wie sich Armut definiert, hängt also vom allgemeinen Wohlstand in der Bevölkerung ab. Es wird deshalb auch von relativer Armut gesprochen. In Deutschland gelten als armutsgefährdet beispielsweise Personen, die sich nicht mindestens einen Urlaub im Jahr leisten können.
Genauso verhält es sich auch mit Reichtum. Wie viel Geld ein Mensch für ein zufriedenes Leben braucht ist also maßgeblich damit verknüpft, in welchem Umfeld man sich bewegt und mit welchen Menschen man den eigenen Wohlstand vergleicht.
Was macht ein gutes Leben aus?
Ganz abgesehen von einer Grundsicherung der eigenen Bedürfnisse und dem Vergleich zu anderen Menschen, ist Geld nicht der einzige Faktor, der ein gutes und glückliches Leben ausmacht. Im Sprichwort "Geld allein macht nicht glücklich." sollte vielleicht das Wort "allein" größere Beachtung finden.
Was genau ein gutes Leben ist und wie wir es erlangen können ist schon seit mehreren tausend Jahren unklar, einige Bedingungen scheinen aber recht eindeutig zu sein. Erfüllte Beziehungen zu den unterschiedlichsten Menschen, sei es Partnerschaft oder Arbeitskollegium, ist ein wichtiger Faktor für unsere Zufriedenheit. Daneben werden oft auch eine sinnstiftende Tätigkeit, individuelle Freiheit und der eigene Blick auf das Leben genannt.