5.01.2019
Fest- und Feiertage

Zuckerfest und Fastenzeit: Interreligiöser Dialog

Über den Glauben reden - wie Studierende über Fest- und Feiertage miteinander ins Gespräch kommen.
Junge Studierende sprechen über ihre Religion
"Was feierst du denn?" lautete das Motto beim Religionsgespräch. Von links: der muslimische Rashad, die katholische Alina, der Muslim Ahmad, die buddhistische Ellen und die evangelische Johanna.

Der Saal im Studierendenhaus der OTH Regensburg ist gut gefüllt. Auf dem Podium sitzen fünf nette junge Frauen und Männer, die in jedem Bewerbungsverfahren gut abschneiden würden. Es sind keine Theologie-Experten, sie studieren Biologie, Chemie oder auch Grundschullehramt. Aber alle fünf bezeichnen sich als "gläubig". Und in dieser Funktion haben ESG und KHG sie eingeladen, über ihren Glauben Auskunft zu geben.

In Deutschland herrscht Weihnachtsstimmung: Rashad, dessen Eltern aus Sri Lanka stammen, ist in Deutschland aufgewachsen, deshalb seien ihm die christlichen Weihnachtsbräuche vertraut. "Ich liebe Adventskalender, Lebkuchen und Nikoläuse." Ein vergleichbares Fest, bei dem die Geburt eines Messias gefeiert würde, gebe es im Islam aber nicht.

Stattdessen feiere man in seiner Familie das Zuckerfest (türk.: Ramazan Bayrami, Fest des Fastenbrechens), das den Abschluss des 30-tägigen Fastens im Ramadan signalisiert, "ein sehr spiritueller Moment". Im Ramadan wollen viele Muslime besonders über ihren Glauben nachdenken und Allah näherkommen. Dieses Fasten ist für Muslime ein wichtiges Gebot. Es steht im Koran, heißt "Saum" und gehört zu den "Fünf Säulen des Islam".

Entspanntes Zuckerfest

Drei Tage lang werde es normalerweise gefeiert, in Deutschland beschränke man sich aber auf einen Tag, weil man leider nicht länger arbeitsfrei bekomme. Brauch sei es, sich vorher zu reinigen, feierlich anzuziehen und die Festgebete in der Moschee zu sprechen. "Das Glück besteht darin, wieder essen und trinken zu dürfen", sagt Rashad. Geschenkestress gebe es nicht. "Das Zuckerfest ist viel entspannter."

Ellen, eine kurzhaarige blonde Buddhistin, berichtet, dass die Festkultur in ihrer Religion nicht so ausgeprägt sei. Das höchste buddhistische Fest sei "Vesakh", das an die Geburt, die Erleuchtung und das vollkommene Verlöschen des Buddhas Siddharta Gautama erinnere und im Mai- oder in den ersten Junitagen gefeiert werde, je nachdem, wann Vollmond ist. Die rituelle Form dafür sei eine Puja (Verehrung) oder eine Prozession, die es aber generell nur in größeren Städten wie Hamburg oder München gebe.

In der ersten Runde geht es noch darum, die Unterschiede im jeweiligen Jahreslauf aufzuzeigen, wenig später suchen die jungen Leute schon nach religiösen Parallelen. Alina, die Katholikin, erzählt, dass es im Christentum eigentlich auch zwei Fastenzeiten gebe, eine vor dem Osterfest, aber auch eine vor Weihnachten. Durch die Kommerzialisierung des Fests und die Weihnachtsmärkte sei das Fasten aber in den Hintergrund gedrängt worden.

Säkularisierungstendenzen im Islam verspürt auch Rashad. "Es gibt auch bei uns Muslime, die es nur noch auf dem Papier sind", sagt er, "obwohl die Muslime insgesamt schon mehr werden."

Beten oder meditieren

Ahmad aus Syrien betet fünf Mal am Tag, meist zu Hause, nur am Freitag gehe er in eine der zahlreichen Moscheen in Regensburg. Die katholische Alina betet regelmäßig abends, meistens auch morgens oder untertags, "wenn es stressig ist". In die Kirche gehe sie mindestens einmal die Woche, "aber nicht unbedingt sonntags".

Die Moderatoren, Pfarrerin Gabriele Kainz (ESG) und Pastoralreferent Alexander Flierl (KHG), entlocken den Studierenden auch ihre persönlichen Religionsbiografien. Johanna bispielweise hat sich bewusst für den evangelischen Glauben entschieden, die Eltern hatten ihr freie Wahl gelassen. Weil sie in Altötting aufgewachsen sei und den Katholizismus als "erdrückend" erlebt habe, habe sie als Kind "eine Gefühlsentscheidung" getroffen, die sich hinterher als "richtig" herausgestellt habe, weil sie sich in ihrem Glauben "freier" fühle. "Bei uns bleibt die Hölle leer, wir werden bedingungslos geliebt", sagt Johanna.

Das Reden über Religion bewerten die Studierenden unisono als "spannend". Dass es darin auch um eine Form des Religionsfriedens geht, wird spätestens in Johannas Schlussbemerkung deutlich, als es um die Frage nach Jenseitsvorstellungen geht. Der Himmel sei ein Ort, sagt sie, in dem "alle Menschen, die wir lieben, zusammenkommen – egal welcher Religion sie angehören".

Dossier Weltreligionen

In Deutschland leben Christen und Muslime, Juden und Buddhisten, Hinduisten und Menschen vieler anderer Religionen und Glaubensgemeinschaften. Im "Dossier Weltreligionen" erfahren Sie mehr über Feste unde Feiertage sowie interkulturellen, interreligiösen Aktionen und Einrichtungen.

ShareFacebookTwitterShare

Weitere Artikel zum Thema:

Sonntagsblatt