28.11.2018
Universitäten und Bildung

Augsburger Hochschulgottesdienst: Hier predigt auch der Maschinenbauer

Bei den Augsburger ökumenischen Hochschulgottesdiensten kommen Kirche und Wissenschaft ins Gespräch. Evangelische und katholische Hochschulgemeinden wollen damit nicht nur Studenten ansprechen.
Studierende beim Augsburger Hochschulgottesdienst
Ein Gottesdienst, bei dem Kirche und Wissenschaft aufeinander treffen: Die ökumenischen Hochschulgottesdienste sollen die Studierenden ansprechen - aber auch normale Bürger.

Es ist nicht gerade gewöhnlich, dass ein Professor in einer Kirche predigt, anstatt im Vorlesungssaal zu unterrichten. Doch das geschieht regelmäßig bei den Augsburger Hochschulgottesdiensten. Stefan Murza ist Professor für Maschinenbau und Verfahrenstechnik an der Hochschule Augsburg. "Wir brauchen Energie, um anzukommen", heißt seine Predigtrede, die er in der Augsburger Moritzkirche hält: "Am Anfang gab es nur Energie", übersetzt der Naturwissenschaftler die Schöpfungsgeschichte in wissenschaftliche Sprache. Er spricht über Wasser, Physik, chemische Reaktionen, Ausbeutung der Ressourcen – um am Ende seiner Predigt zu dem Schluss zu kommen: "Wir brauchen göttliche Energie, um in der Zukunft anzukommen." Unsere Erde sei so ausgeschöpft, dass physikalische Energie alleine nicht mehr ausreiche, meint Murza.

"Ankommen" ist im aktuellen Semester das Thema der ökumenischen Hochschulgottesdienste. "Unsere Gesellschaft ringt immer noch damit, dass 2015 Geflüchtete und Migranten bei uns angekommen sind", sagt die evangelische Hochschulpfarrerin Tabea Baader. Die Hochschulgemeinden wollen Gelegenheiten bieten, darüber nachzudenken.

Fürbitten beim Hochschulgottesdienst in Augsburg
Die Studierenden gestalten den Hochschulgottesdienst mit - etwa bei den Fürbitten.

"Ankommen" sei aber auch für die Studierenden ein bewegendes Thema, meint Baader. Für sie bestehe die erste Herausforderung darin, am neuen Ort anzukommen. Dann komme noch dazu, dass sie in ihrem Studium ankommen müssen. Ausländische Studierende stehen vor der Herausforderung, sich in einer anderen Kultur und Sprache zurechtfinden zu müssen. Orte der Gemeinschaft, Initiativen und Gemeinden seien in dem Prozess des Ankommens unglaublich wichtig. Deshalb wollen die beiden Hochschulgemeinden jedem einen Raum zum Ankommen bieten.

Die Augsburger Hochschulgottesdienste sollen auch die Bürger ansprechen

Die Hochschulgottesdienste orientieren sich in Ablauf und Format an Universität und Hochschule. Es predigen nicht nur Pfarrer oder Theologen, sondern auch Wissenschaftler. Tabea Baader gibt hierfür folgende Erklärung: "Glauben heißt im 21. Jahrhundert nicht, die Augen vor der Welt zu verschließen, um sich auf eine individuelle Gotteserfahrung konzentrieren zu können. Sondern Glauben heißt, Gott im Herzen zu tragen und mit offenen Augen und wachem Verstand durch die Welt zu gehen." Deshalb lade man die Wissenschaftler in die Kirche zum Predigen ein und dazu, ihre Erfahrungen mitzuteilen. "Aber wir sprechen auch die Stadtöffentlichkeit wie Bürgermeister oder Verantwortungsträger der Kirchen an", fügt die Pfarrerin hinzu.

Im Anschluss an die abendlichen Gottesdienste kommen die Besucherinnen und Besucher bei einer kleinen Feier miteinander ins Gespräch. Professoren, Studierende, Hochschulpfarrer und weitere Gottesdienstbesucher tauschen sich aus. Chiara Mirijello etwa kommt aus Italien und absolviert an der Uni Augsburg einen Masterstudiengang. "Ich bin heute das erste Mal beim Hochschulgottesdienst", sagt sie. Eine Freundin habe sie eingeladen: "Es hat mir sehr gut gefallen, ich werde öfters kommen."

Drei Gottesdienste in diesem Wintersemester

Die Gottesdienste finden jeweils um 19 Uhr in der Augsburger Moritzkirche statt. Beim nächsten Gottesdienst am Sonntag, 2. Dezember 2018, predigen der katholische Stadtdekan Helmut Haug und die evangelische Stadtdekanin Susanne Kasch im Dialog. "Ein Schiff wird kommen" heißt ihr Thema. Den dritten Hochschulgottesdienst in diesem Semester gibt es am 20. Januar 2019. Dann geht es um das "Ankommen am Heiligen Ort".

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