Seit 1650 wird das Augsburger Hohe Friedensfest jedes Jahr am 8. August gefeiert. Seit 1950 ist es ein auf das Stadtgebiet Augsburg begrenzter gesetzlicher Feiertag, der dem Frieden gewidmet ist. Ursprünglich war es ein Fest der Evangelischen. Sie wollten damit ihre Freude und Dankbarkeit darüber ausdrücken, dass durch den Westfälischen Frieden nach dem Dreißigjährigen Krieg die Parität zwischen Katholiken und Evangelischen in der Freien Reichsstadt Augsburg wiederhergestellt wurde und sie wieder Gottesdienste in ihren Kirchen feiern durften.

Als Evangelische, die in den 1950er Jahren in eine evangelische Familie mit evangelischen Bäckergroßeltern hineingeboren wurde, hatte dieser Feiertag für mich schon immer einen besonderen Stellenwert. Es war selbstverständlich – auch als wir in einen erst 1972 eingemeindeten Vorort von Augsburg zogen, in dem der Feiertag gar nicht galt –, dass ich am 8. August mit meinen Eltern und einem Blumenkranz im Haar in den Kindergottesdienst ging, um den Friedenswecken zur Erinnerung an die Hungersnot während des Krieges zu erhalten.

Traditionen an die nächste Generation weitergeben

Als unsere vier Kinder, geboren in den 1980er- und 1990er-Jahren, noch klein waren, war es guter Brauch, am 8. August gemeinsam den Kindergottesdienst zu besuchen. Die Mädchen trugen Blumenkränze, die ich gebunden hatte, die Jungen brachten Blumengirlanden in die Kirche. Leider sind diese Traditionen inzwischen kaum noch präsent. Fast kein Kind trägt heute noch einen Blumenkranz, sodass auch meine Enkelinnen dafür kaum noch zu begeistern sind.

Unsere Gastautorin Beate Schabert-Zeidler

Beate Schabert-Zeidler ist 73 Jahre alt, Juristin und war bis zu ihrer Pensionierung Ende 2019 zwanzig Jahre lang Vorsitzende Richterin am Verwaltungsgericht. Ihre fachlichen Schwerpunkte lagen im öffentlichen Baurecht, Waffenrecht, Immissionsschutz und Asylrecht. Von 2008 bis 2025 gehörte sie der Landessynode der bayerischen Landeskirche an. Von 1996 bis 2026 war sie Stadträtin in Augsburg.

Als ich in die Landessynode und insbesondere in den Landessynodalausschuss (LSA) der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern gewählt wurde, war es mir ein Anliegen, diesen besonderen Augsburger Feiertag im evangelischen Bayern bekannter zu machen. Im Juli gestaltete ich im LSA regelmäßig eine Andacht zum jeweiligen Friedensbild. Dieses wird jedes Jahr von einer Jury aus den Einsendungen von Schülerinnen und Schülern des Evangelischen Dekanats Augsburg ausgewählt. Außerdem habe ich meine Konsynodalen immer wieder motiviert, am 8. August nach Augsburg zur Friedenstafel vor dem Rathaus zu kommen – und tatsächlich haben einige diese Einladung angenommen.

Wenn ich heute auf mehrere Jahrzehnte Friedensfest zurückblicke, hat sich vieles verändert. Die Stadt Augsburg verfügt inzwischen über ein Friedensbüro, das die Veranstaltungen rund um den 8. August koordiniert und jährlich ein Motto vergibt – heuer lautet es "UN-Sicherheit". Seit 1985 wird außerdem alle drei Jahre der von der Stadt Augsburg und der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern ausgelobte Augsburger Friedenspreis verliehen.

Die Wurzeln bewahren, den Frieden weiterdenken

Aus dem ursprünglich evangelischen Fest ist ein multireligiöses und interkulturelles Friedensfest geworden, an dem sich alle beteiligen können. Das ist in einer Stadt wie Augsburg mit einem Migrationsanteil von über 50 Prozent von großer Bedeutung.

Trotzdem sollten wir die Wurzeln dieses Festes nie vergessen. Deshalb gehört für mich der ökumenische Gottesdienst – abwechselnd in einer der beiden Augsburger Hauptkirchen und stets sehr gut besucht – untrennbar zum 8. August dazu. Nur zu feiern, gemeinsam zu essen oder den Feiertag für einen Einkaufsbummel im verkaufsoffenen Umland zu nutzen, wäre mir für diesen besonderen Augsburger Feiertag zu wenig.

Umso mehr freue ich mich darüber, dass der Gedanke des Friedensfestes inzwischen auch in den Stadtteilen angekommen ist. Dort wird er mit kleinen Friedenstafeln, Veranstaltungen und Gottesdiensten aufgegriffen und weitergetragen. Das Augsburger Hohe Friedensfest als immaterielles Kulturerbe lebt – und wächst.